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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
45
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lind bei all-edem ist Meser Prozeß eine große Enttäuschung, DetAngeklagte hat sich als Notier -des Vaterlandes aufgespielt, der dbegroße Reinigung zur Wieöcrgesnnduug des Volkes vornimmt. DieserMessias" ist nicht erschienen-! Statt dessen habe:: wir einen AktenschranIneiehen, Her unermüdlich seine Schleusen öffnete und Berge von Materialmit sich führte. Es war ein Terrain, wo die Grundlage seiner Begabung.,-,nr vollsten Blute kam: die Durchdringung des Details. So war ausdem Wettlauf ein Handicap geworden, in dem ein Helsferich Erz-berger überlegen sein mußte. Aber was Sie Schattenseite an dieserArt des Vorgehens war: ES fehlte jeder große Zng. Nichteinmal die Schmähsucht hatte in Deutschland ein großes Geschlechtgesnnden. Nach all den Opfern diese Klänge! Wenn ich die Ge-schichte der politischen Prozesse durchlaufe und sehe, um was eZ sichdort handelt, so kann mich ein Gefühl des Neides beschlcichcn: hierrechnet ein Millionär einem Manne, Sex ein kleines Vermögen ge-sammelt hat, vor, ob es wirklich richtig ist, daß er für einige tanscnoMark seine politische Ueberzeugung verkauft hat. Nein, Herr Dr.Helsferich: Mit einer Blendlaterne macht man kein Licht!

War die Enttäuschung nach dieser Richtung schon groß, so war sienach der anderen noch größer. Man glaubte nach den Ankündigungendes Angeklagten, Haß man Erzberger als so eine Art Kolossalstatue desMammons erblicken werde. Von dieser Kolossalstabne ist nichtsübrig geblieben. Statt dessen versprach uns der Angeklagte ein Mosaik-bild. Wegen des Fehlens de» erforderlichen Quadern konnte dieKolossalstatue nicht geliefert werden. Und nun sehen nur den Ange-klagten dieses Mosaikbild seit Wochen hier zusammensetzen und wirhaben dabei beobachtet, wie er jedes Steinchcn hochhob und von allenSeiten betrachtete und färbte. Wenn man auf diess Weise vorgeht,so kann man zweifellos das Bild jedes Menschen zur Karrikatur wer-den lassen, ihn als Menschen von niedrigem Charakter und als schmutzigdarstellen.

Es ist einer der häufigsten Angriffe gegen Politiker, daß sie ihreUeberzeugung verraten und daß sie, ihrcan Ehrgeiz ihre Ueberzeugunggeopfert haben. Das wird so leicht^keinen Politiker rühren. Darummußte ein anderes Gift in den Trank eingerührt und gesagt werden:Tu hast Deine Ueberzeugung nicht nur verraten, Du hast sie verkauft.Du hast Deine Ueberzeugung geändert, folglich hast Dn ein Interessegehabt, sie zu andern."

Hier wurde noch ein besonderes Fechierkunststück gemacht. Manerhob allgemeine Vorwürfe und beniaHrte den Riefenrest für die Gratis-verlosung auf, die man Wahrheitsbeweis nennt. DieseWVerfahreu er»erinnert au den Arzt, der am Nachmittag von 5 bis N Uhr umsonstSprechstunde abhält und zu dein Gesunde kommen, sich untersuchen lassenund dann auf seine erstaunte Krage erwidern:ES hätte mir viel-leicht doch etwas schien können." So hat es der mutige Angeklagtezu einer kostenlosen Nachprüfung seines Materials gebracht, er hat Nichtnur die angeblichen Fehler nnd Schwächen ErzbergerS bloßgelegt, son-dern auch analoge Schlüsse gezogen, künstliche Stollen ganz in der Art,wie bei einem wirklichen Bergbau angelegt,, um das Erz, natürlich dashöllische, zu schürfen. Der Angeklagte hat ein Verfahren eingeschlagen,das den Mann in einem anderen Lichie erscheinen lassen mnßts, alser in Wirklichkeit war. Darum muß hier gesagt werden, wie in Wahr-es