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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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eine Steuergesetzgebung durchsetzen, vor der unK allen graut. Deshalbdürfen wir ihn aber nicht schmähen. Jedenfalls: Hut ab vor demManne, der eine solche Fülle undankbarer Aufgabenübernommen hat. Ob er überall das Richtige traf, ist eine andere

FrM.

Ich glaube hiermit die Persönlichkeit Erzbergerö zur Genüge ge-zeichnet zu haben. Kein Idealbild, er hat seine Fehler und Mängel wiealle Menschen, er hat sehr viel Vorzüge, und ich möchte fast sagen:deshalb auch' viel Fehler. Man kann hier in besonderem Mahe sagen:die Kehrseite seiner Vorzüge sind seine Mängelund die Kehrseite seiner Mängel sind seine Vor-züge. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir in ihm einen Mann haben,'der das Ewngelium Johannis mit Faust übersetzt:Im Ansang war dieTn t". Solche Leute sind rar. Da muß man schon manches in Kaufnehmen, nur eins nicht: Unchvcnhasiigkeit. Die aber liegt nach meinerfesten Ueberzeugung nicht vor.

Schluß.

Mit dieser Schilderung der Persönlichkeit bin ich am Schlüsse an-gelangt. Meine persönliche Welt- und Lebensauffassung, sowie meine poli-tische Stellung prädestinieren mich wahrlich nicht Zu einem Freunde desZentrums. Aber ich habe es mir von jeher in meinem Leben zum Leit-stern dienen lassen, unter allen Umständen, auf dem Gebiete der Politik, aufallen anderen Gebieten und namentlich auch in meinem Berufe als Anwalt,die Persönlichkeit des Gegners vollkommen von der Parteistellung loszu-lösen. Mir ist ein anständiger Unabhängiger als Mensch genau so lieb, wieein anständiger Agrarier. Ich 'hatte ja, wie tausend andere, von Erzbergerso manches gehört. In., unserem jetzigen, oft dramatischen Zusammen-erleben und Zusammenwirken habe ich so manche sympathische, ja prächtigeSeite seines Charakters kennen gelernt. Es ist mir eine Freude gewesen, indas Haus dieses vielgeschmähtenSchwerverdicners" zu treten, der in Wirk-lichkeit nur ein bescheidenes Vermögen besitzt, in dies Haus, wo kein«Monierter Diener, sondern die Familie selbst dem Eintretenden die Türeöffnet, in dieses Haus, gut bürgerlich eingerichtet, einer schlichten deutschenFamilie.

Ich hätte ja meine Verteidigung ganz anders einrichten können. Ichkonnte mich beschränken aus die einzelnen Tatsachen. Aber ich halte es fiirmeine Pflicht, den Versuch zu machen, das Bild, welches ich von diesemManne gewonnen habe, an die Stelle der leidenschaftlichen Verzerrungen zusetzen, die in weiten Kreisen herrschen. Vielleicht dient das zur Beruhigung,vielleicht wenigstens m denjenigen nicht ganz kleinen Kreisen, die mir ihrVertrauen schenken.

Selbstverständlich bringe ich jenen Grundsatz, die Persönlichkeit von derParteistellung loszulösen, auch in bezu'g auf den Herrn Angeklagten zurGeltung. Bei ihm aber haben wir nicht das Material, seine Persönlichkeitim ganzen zu beurteilen. Er hat an hoher Stelle gewirkt und ic? habe mitgroßem Interesse in seinem lehrreichen Buche über das Wirtsihastslebenwährend des Krieges seine Anschauungen und seine Leistungen im Zu-sammenhange verfolgt. / Aber hier halbe ich es nur mit seiner Tat und mit

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