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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
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des nächsten Jahres wurde die Angelegenheit im Reichstage erörtert undRedner aller Parteien, darunter Ledebuur, Nacken und Arendt, spmchensich bestimmt gegen Dr. Helsserich aus.

Die bereits 19V4 und in den folgenden Jahren zum Ausdruck gekom-mene v-". schied^nartig? Auffassung und ^ Beurteilung der Interessen desReiches einerseits und der kapitalistischen Unternehmuiigen andererseitstraten zwischen den beiden Politikern aufs neue in aller Deutlichkeit hervorin der Frage der Besteuerung der KrieMewinne, die 1915 akut zu werdenbegann. Charakteristisch für den Stand Erzbergers und Helsferichs sind diebeiden Sitzungen der Budnettommission am 1. und 2. Dezember jenesJahres, in denen Erzberaer den, Wunsch zum Ausdruck brachte, die kapita-listischen Gesellschaften dürften in diesen» Kriegsjahren keine höheren Ge-winne verteilen, als in den letzten drei Jahren. Die Uebergewinne solltennicht den Aktionären, sondern dem Reiche zufließen. Neben der Erhebungeiner ordentlichen Kricgsgewinnsteuer verlangte er eine Besteuerung all derEinnahmen, die über die notwendige Lebenshaltung hinausgehen. Es mußjeder froh sein, war schon damals sein Grundgedanke, wenn er ohne Ver-lust ans dem Kriege herausgeht? des Gewimies bedarf es nicht.

Diesen Plänen der Steuerreform trat der Staatssekretär des Reichs-schatzamtes Dr. Helfserich entgegen, indem er auf die treibende Kraft des<Äwinnes für die Unternehmungen und auf die Beunruhigung, die indie Kreise der Aktionäre getragen winde, hinwies. Desgleichen hält er denAntrag Erzbergers, die Krlegögewinne ab Juli 1914 statt Oktober 1914der Steuer,zu unterwerfen, für verhängnisvoll.

Auf die scharfen Gegensätze der Kriegspolitik des einen undder FriedenApolitiik des andren kann hier nicht näher ein-gegangen werden. Während Helsserich von einem Gegner des U°Boot-KriegeI sich in dessen begeisterten Verteidiger umwandelte undimmer riefer in das Fahrwasser der Kriegsparlei hineingeriet, kam Erz-bcrger mehr und mehr von seinen einstmals aufgestellten Kriegszielen abund setzte sich für eine Politik der 'Verständigung und des >ba>ldigenFriedensschlusses ein. Das Ergebnis dieser Bemühungen war die Friedens-resolution vom 17. Juli 1917, durch die er sich nicht nur die ausgesprocheneFeindschaft der Rechtsparteien, sondern auch der höheren Beamtenschaft desalten Staates zuzog. Gerade diese Gegnerschaft der Beamten hat Erzbergermehr denn einmal im Verlaufe dieses Prozesses zu spüren bekommen. 1)

Der Umschwung des November brachte auch einen Umschwung in derStellung der beiden politischen Gegner, ohne jedoch eine Aenderung ihrergegensätzlichen Stellung herbeizuführen. Wie Dr. Helsserich selbst vorGer! A bekundete, trug er sich seit Jahr und Tag mit der Absicht, Erzbergernoch einmal bis aufs Messer zu bekämpfen. Aufs sorgfältigste vermehrte ersein Material gegen den verhaßten Abgeordneten^ machte nuch nachträglichNotizen über mit ihm abgehaltene Unterredungen und über Vorkommnisse,bei denen er beteiligt war.

Zur Verschärfung dieser politischen und persönlichen Feindschaft trug«S sicherlich bei, daß Helsserich, der wohl intelligenteste Vertreter des alten

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