Systems, mit diesem System in der Versenkung, verschwunden und zu poli-tischer Bedeutungslosigkeit verurteilt war, nxihrend Erzberger in der treuenAera, als deren rührigster Verfechter er sich erwiesen hatte, von Stnse MStufe stieg. Staatssekretär Erzberger schloß den Waffenstillstand ab. DerWaffenstillstand bewahrte unser Heer vor der gänzlichen Zertrnmmcrtüigund unser Land vor den Schrecken einer feindlichen Invasion. Reiehs-nlimister Erzberger führte den Frieden herbei. Der Friede aber erhielt unsdie Reichseinheit und schuf die Möglichkeit zum Wiederaufbau.. Des Wieder-aufbaues Vorbedingung iist ein gesundes Wirtschaftsleben. Gesundes wirt-schaftliches Leben ober setzt geregelte Finanzverhältnisse voraus. Die Sa-nierung der Finanzen, die Reform der Steuern ist die Sache des Finanz»Ministers. Rcichssinanzministcr aber wurde Erzberger. Gelang es ihm, dasWerk durchzuführen, — so war seine Stellung unerschütterlich. Sollte- nochein Angriff seines Gegners mit Aussicht auf Erfolg unternommen werden,so mußte eS jetzt geschehen, ehe der Gipfel erreicht war.
Neben dem Ziel persönlicher Rache ging ein politisches, die Kompro-nutlierung des demokratischen Gedankens die Schädigung des republikü'nischen Staates. Wäre Erzberger nicht Vorkämpfer der Demokratie undfesteste Stütze des neuen Reiches, Helsfcrich hätte ihn so wenig angegriffen,wie diejenigen seiner Gesinnungsgenossen, die anch Politik und Geschäftzu verbinden verstehen. Ueber dieses Ziel des Prozesses hat Helfferich selbstund seine Presse keinen Zweifel gelassen und das Duell in Moabit ist somitgehoben über Ereignisse von bloßer Tagesaktuolitüt, es ist ein politischerProzeß, eine Handlnng von geschichtlicher Bedeutung. 2)
Im Juni hatte Erzberger das Amt des Finanzministers übernommenund am 1. Juli erschien in der Kreuzpeilung Herr Helfferichs erster Vor>stoß. Die nnn einsetzende Pressesehde bezeichnet den Austakt zu dem Drama,das in Moabit über die Bretter .ging. Immer belastender wurde der Inhalt,immer beleidigender die Tonart, sowohl der von Helfferich verfaßten Artikelin der Kreuzzeilung als der von Erzberger veranlaßten in der DeutschenAllgemeinen Zeitung. Die gegenseitige Erbitterung wurde noch geschürt durcheinige Bemerkungen des Ministers in der Nationvloersammluug, die Helffe-rich als persönliche Kränkungen empfand. Helfferich hat selbst zugegeben,durch seine Artikel und durch deren Zusammenstellung in seiner Broschüre„Font mit Erzberger" eine BeleidigungMagc provoziert W haben. Mittelsdes Prozesses hoffte er die Stellung seines Gegners zu untergraben und zuerschüttern, ja, wenn möglich, den Verhaßten zu stürzen.
Der^Gründe waren genug vorhanoen, die von vornherein ein derartigesVorgehen als nicht aussichtslos erscheinen ließen.
Ein Beleidigungöprozeß, in welchem der Angeklagte den Wahrheits-beweis für seine beleidigenden Behauptungen zu erbringen hat, biete: n^chder in Deutschland zurechtbcsteyenden Prozcßvrdmmg die denkbar besteHandhabe, einen Gegner, wenn auch nicht vor Gerich!, so doch für dieÖffentlichkeit an den Prairger zu stellen. Kann doch der Angeklagte, umsein« Behauptungen zu erhärten, das ganze öffentliche und private Lebendes beleidigten Klägers ans Licht zerren, in alle Winkcl hineinleuchten, alleKalkten «Wecken und Verschlungen, die längst vergessen ober durch ver-
»