dienswolles Wirken gutgemacht sind, aufrühren und festnageln. SchMoS istder Kläger den übelsten Verdächtigungen preisgegeben. Würde der Ang»klagte beweislose Verdächtigungen außerhalb des Gerichtssaals, beispiels-weise in Versammlimgen und Presse aussprechen, so drohten ihm Klage undStrafe. Vor Gericht aber darf er sie ungescheut erheben, Beweise >dafür erstnachträglich z-usanrMlenscharren, !tind 'dies alles gleichsam kostenlos. Sind seineBeweise nicht stichhaltig, fallen sie eben unter den Tisch. Dem Angeklagtengeschieht nichts; an den, Kläger aber bleibt in den meisten Fällen immerein Schatten 'hasten. Daß diese Mängel in diesem Prozesse in geradezuunerhörter Weise ausgeschlachtet worden sind, ist jedem bekannt, der den Ver-handlungen beigewohnt «hat.
Kein Weg führt so leicht zu dem Zieh, einen unbequemen , politischenGegner zur Strecke zu bringen, als die Verdächtigung seiner persönlichenEhrenhaftigkeit und der Lauterkeit seines Charakters. Männer, die Jahreund -Jahrzehnte sich im öffentlichen Leben betätigt haben, die in einer Un-zahl wirtschaftlicher und politischer Kampfe verwickelt gewesen sind, habendurch die Ban? in ihrem vielbewegten Leben sich einmal irgend etwas zu-schuldcnkommenlassen, daß sie nicht gern. in der Öffentlichkeit breit'getreten sehen. Es wird nicht schwer sein, Schwächen, Unkorrektsten, Ver-fehlungen bei der Mehrzahl aller Mitmenschen aufzudecken, die in dierichtige Beleuchtung und in künpnch konstruierte Zusammenhänge gebrachtzum Beweise aller möglichen Anwürfe dienen können. 3) Daß es im Lebenfast eines jedes exponierten Menschen Schatten und dunkle Punkte gibt, wußteHerr Helfferich wohl aus eigener Erfahrung und auf Gruno seiner Bc-Ziehungen zn politischen Persönlichkeiten des alten Regimes: und weil erdies wußte, provozierte er diesen Prozeß.
Bei politischen Prozessen oder solchen mit politischem Hintergrund pflegteine Menge von Realitäten und Imponderabilien, die außerhalb der Be-weisführung liegen, mitbestimmend auf die Urteilsbildung zn wirken. Diesgilt unbeschadet der Objektivität der Richter. Aber der Nichter ist auch einGlied seiner Umgebung. ^ Ideen und Meinungen, die in der ihm umge-benden Atmosphäre liegen, atmet er gleichsam mit der Lust ein. DerMassenpsychose, die durch eine große und zielbewußte Partei erweckt werdenkann, vermag auch er sich nicht völlig zu entziehen, um so weniger, wenn ernach Herkunst und Entwickelung ihr nahesteht. Die öffentliche Meinung,die Haltung der Presse, Partcirichtung und Weltanschauung der Prozeß-gegner sind Faktoren, die bei Gestaltung des Endurteils in die Wagschalefallen. Gerade diese nicht wegzuleugnende Tatsache hat Helfferich in seinerBerechnung vorausgesehen und dann in kluger Weise sich dienstbar zu machenverstanden.
In geschlossener Front standen all die Kreise und Schichten bei seinemVorgehen gegen Erzberger hinter ihm, die man gemeinhin als rechtsstehendebezeichnet, eine Unterstützung, die nicht nur moralisch zu bewerten ist, sondernsich auch real bemerkbar machte. Das Milieu des Gerichtssaales, gebildetdurch Znhörcrraum und Pressevertretung tvar ausgesprochen deutsch »national. Die gesamte Presse der Rechten, deren Berichterstatter stets voll-zählig und regelmäßig bei den Verhandlungen zugegen waren, schlug ein-mütig in seine Kerbe. Helsserich verstand es zudem, seine Sache als die
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