sittliche und nationale schlechthin darzustellen und wirkte somit bestechendauf all die> die noch Gottlob sittlichen und nationalen Ideen anhangen.Diese Wahrnehmung konnte man selbst bei Angehörigen der unteren Volks-schichten machen, die sonst der Person des-Dr. Helfserich durchaus nicht,grün sind.
Diese Imponderabilien- und Realitäten! fielen um so mehr ins Gewicht,als sein Gegner sich in ganz anderer Situation befand. Wäre Erzbergersozialdemokratischer - Minister, das äußere Prozeßbild wäre ein anderesgewesen. Die Tribünen wären wenigstens zum Teil von Parteigenossen be-setz! und somit die hcrs> und hohngeladene Atmosphäre des Sitzungssaalesbedeutend mehr ausgeglichen gewesen. Im ganzen Lande hätte eine wohl--disziplinierte Presse sich ..für ihren Minister ins Zeug gelegt und durchHervorhebung aller günstigen Umstände, deren gewiß nicht wellige waren,die Stimmungsmache der Gegenseite paralysiert. Ein freiwilliger Hilfs-apparat, durch Solidarität getrieben, Härte ihm zu Diensten gestanden.Erzberger ist aber nicht Minister der Sozialoemoratie. Hel'fferich hofftedaher, schon Im Anfangstadium des Prozesses den stets auf einem Außen-vostsn seiner Partei kämpfenden Politiker vom Gros abzuschneiden und zuisolieren. Ob und inwieweit dies gelungen ist, soll hier nicht beurteiltwerden.
Ein anderer Punkt der Helfferichschen Berechnungen für den Ausgangdes Prozesses waren gewisse Eigenschaften der ihm wohlbekannten Persön-lichkeit seines Gegners, vor allem seine Großzügigkeit und sein Optimismus,die sich in erster Linie auf alles das erstrecken, was die eigene Person be-trifft. Es war vorauszusehen,, daß Erzberger sich für seinen Prozeß keinegrauen Haare wachsen ließ und auf sein Glück und redliches Wollen ver-traute, daß serner der Dienst an Volk und Reich, der zur Stunde all seinekörperliche und geistige Kraft in Anspruch nahm, ihm nicht die Zeit gab,mit Umsicht jene Vorbereitungen M treffen, die zum Gelingen eines der-artigen Glücksspiels, womit man einen Beleidigungsprozeß unter den dar-gelegten Umständen wohl vergleichen kann, immerhin nicht! ohne Belangsind. In der Sorge um die eigene Sache ist nun allerdings ein gewaltigerUnterschied zwischen den beiden Widersachern zu konstatieren. Währendman im Gerichtssaale die lebhaftesten Beziehungen Zwischen der Presse undder Helfferichseite bewundern konnke und die entgegenkommende Ueberlassungvon Schriftstücken und. anderem Material an, die Stenographen der Gerichts-korrespondenzen, war von Seiten des Ministers noch nach den ersten dreiProzeßtagen so gut wie nichts geschehen, um auch nur einigermaßen mitder Presse der Hauptstadt und Provinz in Verbindung zu treten. DieMaterialbeschaffung war ungenügend und das Versäumte konnte auch imVerlauf des Prozesses nicht mehr nachgeholt werden. Der Helfferichseiteging Material, wie Dr. Alsberg selbst erwähnte, in Stößen zu, von denverschiedensten Personen und aus allen Teilen des Reiches. Die hinterHelfferich stehenden Kreise haben weder Mühe noch Geld gescheut, sich Be-laswngsmaterial zu verschaffen. Ihre Agenten bereisten die Schweiz , ihreFreunde durchwühlten die Archive der Reichsämter, um zugunsten Helffe-richs Aktenreferate von Stapel lassen zu können, in denen aus allem, wasdas Mitglied des Reichstages Erzberger je einmal geschrieben, ihm ein
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