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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
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des ReichAministeriums na'ch sich ziehen. Linke und rechte Oppositionsprechen schon vom Zerfall der Koalition. 16) Das dürfte zu weit gehen-vorläufig wenigstens. Wenn allerdings Erzberger sich auch ans dem partei-politischen Leben zurückzöge, würde manches in Frage gestellt. Zunächst diedemokratische Strömung im Zentrum, der der Bahnbrecher genommenwäre. 17) Schon jetzt deuten Anzeichen darauf hin, daß der sogenannte rechteParteiflügel die Situation auszunutzen sich bemüht. Konservative Männerdes Zentrunis geben die Görreskorrespondeuz heraus zur Beeinflussungder Parteipresse in ihrem Sinne. Ein Verein, aus katholischen Adeligenbestehend, hat in Münster merkwürdige Beschlüsse gefaßt, die geradezu wieeine Kampfansage an die offizielle Zentrumspolitik klingen. 18) Wird mmoie demokratische Strömung im Zentrum zum Stauen gebracht und 'zurück-gedämmt, gewinnen konservative Ideen die Oberhand, so ist allerdings dieKoalition aufs äußerste gefährdet, und damit all das im neuen Deutschland ,was auf der Zusammenarbeit der drei demokratischen Parteien beruht.

Wankt Erzbergers Stellung tatsächlich in Partei und Fraktion?Stimmen der letzten Wochen lassen vermu'teu, daß dies nicht in erheblichemMaße der Fall ist. Der langjährige ehemalige ZentrnmsabgeordneteMüller-Fulda schreibt einen warmherzigen Brief für seinen Parteifreund anden Vorsitzenden der Fraktion. 19) Gerstenberger von der bayerischen Volks-Partei, und gewiß nicht Erzbergers politischer Anhänger, tritt öffentlichein für Erzbergers Person und Charakter, 2V) desgleichen der schlesische Zen-tiumsabgeordneteGeheimrai Bitta. 21) DieGermania " spricht am Tage nachder Rede des Staatsanwalts von dem Zerrbilde, das man von Erzbergerin Moabit an die Wand gemalt, und der Oberschlesische Kurier bewunderte,je weiter der Prozeß voranschritt, die eminente Tüchtigkeit Erzbergers,die gerade durch diesen Prozeß immer offenbarer wurde. 22) Die BarmerZentrumsorganisation sendet telegraphisch eine Vertrauenskundgebung demin Moabit Kämpfenden. Vollends aber läßt auch nicht einen Schatten aufden Lvndsmann fallen der Bote vom Oberland in Biberach und gibt damitjedenfalls die Stimmung des Wahlkreises wieder. Gerade die Stimmungund Ansicht von Erzbergers Wählerschaft ist von Bedeutung, vielleicht aus-schlaggebender, für die Entwicklung der Dinge. Erzberger wird, dem Wortseiner Schlußrede in Moabit zufolge, den Kampf um seine Ehre weiter-führen auf welchem Boden, mit wessen'Unterstützung werden die fol-genden Wochen ergeben.

Noch war das Urteil nicht allenthalben im Reiche bekannt und schonzeigten sich Anzeichen einer Gegenbewegung gegen diesen Prozeß und seinResultat. Nüchterne Erwägung greift Platz gerechte und vernünftigeAuffassung ringt sich durch. 23) Eine Frage der Zeit, und die Wogen dieserGegenströmung werden Erzberger, falls er für eine Zeitlang sich von derpolitischen Bühne zurückziehen sollte, wieder hinauftragen auf den Platz,auf den er als Politiker und Führer gehört. 24)

Bis dahin aber heißt es für die, die in Erzbergers politischen undsozialen Ideen das Heil der Nation erblicken, festhalten an dem, was erseit den Julitagen des Jahres 17 verfochten, und eintreten dafür gegenalles, was sich mirs et extrs inuros dawider erhebt.

Berlin , den 12. März 1920. psrteisekretsr k-rit- 2innecke

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