aber «deshalb 'bleibt es doch wahr, daß ich seit Jahren „der überlaufenste allerAbgeordneten" bin und daß die Uneigenmitzigkeit meines politischen Han-delns nicht in Frage gestellt werden darf. Ich habe, wie ich unter meinemEide aussagte, wiederhalt Aneribieten für Aufsichtsratsstellen abgelehnt; ichhätte, ohne mich einem berechtigten Angriff 'auszusetzen, Hunderttausendeund Millionen verdienen können, wenn ich gewollt hätte; ich habe es ab-gelehnt und mir auf die ehrlichste Weise durch wirkliche Arbeit, nicht unterAusnutzung meiner parlamentarischen, Stellung, ein ganz bescheidenes Ver-gnügen erworben. Man hat mir Millionen angedichtet, die nnr in derPhantasie meiner Gegner vorhanden sind. In der Öffentlichkeit ist be-hauptet worden, ich hätte mich an den mir zur Verfügung stehenden Propa-gandageldern — die hierfür verwendete Summe wird um ein Vielfachesübertrieben — bereichert und überdies über diese Gelder bis jetzt noch nichtabgerechnet. Gegenüber dieser Verleumdung stelle ich fest, daß längst mitdem Auswärtigen Amt abgerechnet ist, und zwar in der Weise, wie es berBeginn meiner Tätigkeit verabredet war. Was ich während des Kriegesmehr erworben habe, steuere ich auch mir durch die von mir verabschiedetenGesetze größtenteils weg. Wenn ich das Finanzministerium verlasse, bin.ich ärmer, als ich es betreten habe. Ich war bis 1918 ein freier Ab -g «ordnet er und muß danach beurteilt werden. Ich war kein Gehalts-empfänger, ich bin auch kein Pensionsempfänger. Im Rahmen des Erlaub-ten, des Ueblichen und des Schicklichen aber habe ich mich gehalten, wo ichmich geschäftlich betätigte, sei es bei Thyssen oder Berger oder Anhydat-werke. Gegen die Bchauptungen des Angeklagten und gegen die Ausstellun-gen der Staatsanwaltschaft setze ich das Zeugnis eines Mannes, der 17 Jahremit mir in der Zentrum sfraktion arbeitete, der mich besser kennt, als dieirregeleitete Öffentlichkeit, mit dem ich auch häufg meine privaten AngelegeN'-heiten besprach: es ist der Abgeordnete M ü l l e r - F u loa, de< auseigenem Antrieb an die Fraktion dieser Tage schrieb:
Dieses Manneswort in den Stunden der blinden Hetze wiegt mir alleWerturteile der Staatsanwaltschaft nnd des Angeklagten ans.
Alldeutsche Moral.
Was i ch tat, übten andere und reichere Abgeordnete in weit größeremUmfange. Erst dieser Tage wurde mir noch glaubwürdig versichert, daß derfrühere hessische Finanzminister Dr. Becker, nachdem er zum Mitglied derNationalversammlung gewählt worden war, in die Leitung eines schwer-industriellen Unternehmens eintrat gegen eine Jahresvergütung einer sechs-stelligen Zahl. Will der Angeklagte etwa den Satz vertreten, daß Zen-trumsabgeordneten verboten sei, was nationalliberalen, deutsch -nationalen und demokratischen Abgeordneten gestattet ist? Ich muß da anden alldeutschen Professor Liebig denken, der in seiner im berüchtigten Leh-mann-Verlag erschienenen Broschüre schreibt:
„Auch Abgeordnete nationaler Parteien nnd Alldeutsche sitzenin Anfsichtsräten und stecken Tantismen ein. Nur sind sie auf Grund'bereits vorhandenen Vermögens oder auf Grundihrer sachlichen Kenntnisse und ihrer Vorbildung in die Aussichts«ratsstellen gekommen und nicht auf Grund ihrer Eigenschaften MParlamentarier."
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