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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Wünsche hereinbrechen sah. Denn der höfische Glitzund Glanz, der aus allen Ecken und Enden hervor-strotzte und sich ganz selbstverständlich breit machte,wird wohl auch den zahmsten Volksfreund daran ge-mahnt haben, dass in diesem weissen Schlosssaale sorecht eigentlich die deutsche Nation noch nicht bei sichzu Hause sei. Die Kammerherren mit den goldbela-denen Röcken und dem silbernen Schlüssel am blauenBande just an der Stelle, wo bei uns die Stabsärzteder Ranzengarde zur Faschingszeit ein gewisses Instru-ment zu tragen pflegen, sahen mit ihren glatten, ge-wichsten und gestrichenen Köpfen gar nicht so aus,als ob sie eben das Bedürfniss fühlten, die Pforteneiner grossen demokratischen Zukunft aufzuthun. Aberman konnte sich zum Tröste auch sagen, dass, wennes von diesen höflichen Herren abgehangen, über-haupt niemals ein deutsches Parlament nach Berlin wäre berufen worden; und so wenig sie die Wege derjüngsten Vergangenheit abzusperren vermochten, sowenig werden sie es mit den Wegen der Zukunft ver-mögen. Uebrigens denken sich Leute, welche am Sitzeeines fürstlichen Hofes aufgewachsen sind, bei der Ge-währung des höfischen Schnick-Schnacks viel wenigerals Unser Einer, der, nicht an den Anblick des Cere-moniels gewöhnt, in seiner verstandesmässigen und gleich-heitliebenden Empfindung von all dem Apparat ver-