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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Fest nicht weiter beschreiben, denn das liefert jedeillustrirte Zeitung. Man hatte mich ohne Zweifelzur Beförderung der Versöhnlichkeit unter allen Par-theien zwischen einen der eifrigsten Reaktionäre,den ehemaligen Justizminister Grafen zur Lippe, undeinen der verbissensten Schwaben aus Schwabenlandgesetzt (es giebt nämlich auch Schwaben aus andernLändern hier, namentlich aus Pommern und Sachsen).Wir vertrugen uns ganz gut mit einander und verdar-ben uns den Appetit gegenseitig nicht im Allergering-sten. Das Essen war kurz und gut, auch durfte esnicht zu auserlesen sein, damit es nicht aussehe, alswollte man die Herzen der Abgeordneten von innenaus durch den Magen beeinflussen. So schön wie dasFest, welches mir an demselben Abend die hier woh-nenden Mainzer gäben, konnte es natürlich nicht sein,wenigstens konnte es mir nicht so schön Vorkommen.Das Merkwürdige an letzterer Sache war, dass unge-fähr dreissig Mainzer Kinder beisammen waren, lauterenragirte Norddeutsche, welche ein kurzer Aufenthaltin Berlin dazu gemacht hatte; das bestätigte mir, wasich immer bei den Wahlen gesagt hatte: ich rietheder Grossherzoglichen Regierung, sie sollte lieber michals einen ihrer Anhänger nach Berlin wählen lassen,denn ein gut hessisch Gesinnter würde von Berlin starkabgefärbt zurückkommen, während doch an mir nichts