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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Würde. Aber hinter diesem freundlichen Spiel bargsich der böse Ernst, die Unterscheidung auch in dasInnere aller grossen Fragen hineinzuführen. Es schienwochenlang wirklich so weit gekommen, dass man sichfragen musste: Sind wir hierher geschickt, um mitStimmenmehrheit aller Vertreter Eines Deutschlands zuheschliessen, oder sind wir nur berufen, wie im altenRom oder im alten Reich, im Schoosse gesonderter Ständeabzustimmen, die sich dann unter einander zu verglei-chen haben? Die Sachen in diesem Geiste auffassen,hiess das begonnene Werk nicht fortsetzen, sondernzerstören. Und dennoch hatte sich dieser Geist, vonaussen und von innen angefacht, der Majorität eineZeitlang bemächtigt. So hiess es bei der Adressdebatte:Die Sache sei unstatthaft, weil die Abgeordneten desSüdens in ihrer Mehrheit ihr abhold seien. Und beijeder neuen Frage tönte diese falsche Betrachtungs-weise von Neuem wieder. Hatte sie schon bei derAdresse folgenschwer eingegriffen, so drohte sie beieinem späteren Anlass vielleicht verhängnisvoll fin-den Ausgang der ersten Session und damit für die ganzeZukunft des Zollparlaments zu werden. Als es sichnämlich darum handelte, zu bestimmen, ob zuerst überdie Tarifreform oder über die Tabakssteuer zu berathensei, schien es nicht anders logisch denkbar, als dass derTarif vorangehe, weil nur die Ermässigung der Eingangs-