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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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so thaten doch unsere nationalen und liberalen Freunderedlich mit. Den ersten Anstoss gab die blosse Höf-lichkeitsb egegnung.

Man hätte auch hier, wie in den meisten Fällenklug gehandelt, wenn man, ein bekanntes Sprichwortumdrehend, sich gesagt hätte: folget niemals der erstenEingebung, weil sie die gutmüthige ist. Gastfreund-schaftliche Zuvorkommenheit, liebenswürdiger Eifer be-mühten sich um die Ankömmlinge auf Weg und Steg.Dabei konnte nicht ausbleiben, dass die Keichstagsmit-glieder als die Aelteren und Stärkeren, wir neu Ein-tretende als die Jüngeren und Schwächeren erschienen.Es war ja auch so thatsächlich. Jenen war der Boden,den wir eben zum erstenmale beschritten, war die Praxisder grossen parlamentarischen Versammlungen vertraut;sie waren kampfgeschult und selbstvertrauend, wo wirschüchtern tasteten. So machte es sich von selbst, dassder Süden gleich einem jüngeren Bruder vom älterenNorden liebevoll ins Leben eingeführt wurde. Der Vor-gang erinnerte mich, in verringertem Masstabe, an dieTage des seligen Vorparlaments. Damals waren es dieOesterreicher, welche die Benjaminsrolle spielten; undmanch Einer wurde damals mit allen irdischen Ehrenüberhäuft, als man entdeckte, dass er lesen unh schrei-ben konnte. So gab es auch diesmal für unsSüd-deutsche alle eine Aufmerksamkeit, ein Aemtclien, eine