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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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ich Gott Vater bin. Solch eine Schrulle braucht blosmit dem Reiz der Neuheit auf den fruchtbaren Bodenunserer Staatsphantasterei zu fallen, so kommen wirauch noch in die Gefahr, erst halbirt und dann gevier-theilt zu werden. Russland wäre gewiss gern bereit,seinen Schutz den Landen rechts der Elbe angedeihenzu lassen, wie Frankreich die links des Mains in seinHerz geschlossen hat. Wir Andern, die wir nach Ber-lin gekommen waren in der Erwartung, das bewussteganze Deutschland da endlich leibhaft beisammenzu finden, wir waren peinlich überrascht, als uns vomersten Tage an die Unterscheidung zwischen Nord undSüd unablässig an die Ohren schlug. Ja sogar unseregleichzeitig neuangekommenen gegnerischen Collegenwaren sichtbar nicht darauf vorbereitet gewesen, denMain , den sie im Rücken gelassen hatten, vor sich quer-über mitten im Sitzungssaal wiederzufinden. Wie wiruns gefreut hatten, so hatten sie sich gescheut, demganzen Deutschland zu begegnen und nun war dieReihe an ihnen, zu triumphiren und an uns, die Augenniederzuschlagen.

Dieser falsche Ton ging zunächst von den Mitglie-dern des norddeutschen Reichstags aus. Und zwar bei-nahe ohne Unterschied der Parteien. Ob zwar ein Con-servativer von Haus aus seine grössere Freude an je-der landschaftlichen oder historischen Absonderung hat,