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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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treffliclikeit seiner Politik. Die Ironie des Schicksalswill, dass gerade dieselben deutschen Blätter es sind,welche Preussen den Abzug aus der Festung als Lan-desverrath vorwarfen. Wenn dergleichen Erscheinungennichts Befremdliches mehr für uns haben, so solltensie uns doch als Warnung dienen, dass wir nicht inaller Unschuld ihnen selbst noch Nahrung zutragen,wie dies geschah, als man im Zollparlament ein süd-liches Selbstbestimmungsrecht im Gegensatz zum Ent-scheidungsrecht der ganzen Nation anzuerkennen Mienemachte. Wie dürfen wir uns nach solchen Vorgängennoch wundern, wenn die Franzosen den Eintritt vonHessen oder Baden in den Norddeutschen Bund so an-sehen, als handelte es sich darum, irgend einen aus-ländischen kleinen Staat wie Belgien, Holland oder dieSchweiz mit List oder Gewalt dem preussischen Scepterzu unterwerfen; wenn ihnen eine Erweiterung desnorddeutschen Bundes im Lichte der Annexion vonNizza oder auch der Eroberung von Algerien erscheint,nur mit dem Zusatz, dass sie sich auch befugt, jawegen der Pflicht der Selbsterhaltung gcnöthigt glauben,dagegen einzuschreiten.

Ich habe Ihnen in meinem zweiten Briefe ange-deutet, warum ich die Politik des Berliner Kabinets, indessen gegenwärtiger Beschaffenheit für eine wesentlichfriedliche halte. Seitdem haben Sie in den angese-