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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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kann und sie verlässt sieh darauf, dass jederZuwachs dem Grundgesetz, auf dem sie beruht, neuey Stärkung bringen muss. l)ie grossem Massen ziehen

die kleinern an: darauf basirt unsre Rechnung, und wennwir den deutschen Staat um zwei Fürstentliümer ver-grössern und den süddeutschen Rumpf um ebensoviel' verkleinern, so ist wahrlich kein Anlass da, eine

schlechte Wirkung davon zu befürchten.

Es ist in gewissen Kreisen Mode geworden, die In-terpellation Laskers wegen Baden als eine bedauerns-werthe Taktlosigkeit zu bewehklagen. Solche kitzliche, Fragen, wird uns mit weiser Miene zugeflüstert, dürfe

man nicht aufs Tapet bringen, ohne sich bei dent höchsten Personen vorher vergewissert zu haben, dasssie auch willkommen seien. Wenn der AbgeordneteLasker schweigen wollte, so konnte er die Mühe sparen,vorher bei dem Bundeskanzler anzufragen, ob er redendürfe. Die verneinende Antwort verstand sich ja vonselbst, und die einzige Art den Gegenstand anzurührenohne den Bundeskanzler zu compromittiren, bestandeben darin, ihn sorgfältig aus dem Spiel zu lassen.Es ist schon ganz gut, dem Stifter des NordeutsehenBundes alle erdenkliche Gerechtigkeit widerfahren zulassen, aber seiner höheren Politik wäre nichts ver-derblicher als jene namenlose Angst, ihn einen Augen-blick in üble Laune zu versetzen, als dieses fromme

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