Ich verhehlte mir nicht, welch' große Anforderungen das geplanteUnternehmen an meine Kraft und namentlich an meine Ausdauer stellenwürde. Ich war mir voll bewußt, wie schwierig es sein würde, bei demlebhaften Streit der Meinungen über die währungspolitische Entwickelungdes letzten Jahrhunderts mir den objektiven Blick zu wahren, namentlichda ich nicht jene billige Unparteiischkeit erstrebte, welche in der Scheuvor jeder präcisen Meinungsbildung und Meinungsäußerung besteht, undderen höchster Stolz die Neutralität im Streit zwischen Wahr und Falschist; mein Bestreben war vielmehr, mir auf Grund der strengeu Fest-stellung des objektiven Thatbestandes ein Urteil zu bilden und meine Auf-fassung zusammen mit dem Thatbestand der Öffentlichkeit vorzulegen.
Ein weiteres Bedenken war der Umstand, daß ein großer und wich-tiger Teil der Quellen, das in deu Archiven verschlossene Aktenmaterial,zur Zeit noch unzugänglich ist. Es entstanden dadurch Zweifel, ob meinUnternehmen nicht verfrüht sei, ja ob überhaupt unter diesen Verhält-nissen die Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, gelöst werden könne.
Es gehörte ein gewisses Selbstvertrauen dazu, um die beiden erstenBedenken zu überwinde»; das letztere Bedenken wurde ausgewogen durchdie Möglichkeit, diejenigen Männer, welche an der Geldreform in hervor-ragender Weise mitgearbeitet haben, und welche heute noch unter unsweilen, für meine Arbeit zu interessieren und von ihnen aus dem Schatzeder lebendigen Erinnerung Aufschlüsse zu erhalten, welche nicht nur dasunzugängliche Aktenmaterial bis zu einem gewissen Grade ersetzen, sondernes auch in wertvoller Weise ergänzen könnten.
Diese Erwartung hat sich nicht nur in vollem Umfang erfüllt, son-dern es ist mir sogar gelungen, Einblick in den wichtigsten Teil des bis-her nicht veröffentlichten offiziellen Materials uud die Erlaubnis zu seinerBenutzung zu erhalte».
Vor allem habe ich gleich beim Beginn der Vorarbeiten die weit-gehende Unterstützung Ludwig Bambergers gesunden, des Mannes,der sich durch seine hervorragende Sachkenntnis und dnrch seine unermüd-liche parlamentarische Thätigkeit die größten Verdienste um die Reformdes deutschen Geldwesens erworben hat. Er gestattete mir die Benntzungseiner vorzüglichen Bibliothek, gab niir aus seiner Erinnerung und ausseinen Aufzeichnungen wichtige Aufschlüsse uud war stets bereit, mir mitgutem Rat zur Seite zu stehe».
Unter dem Material, welches er mir zur Verfügung stellte, befandsich eine große Anzahl von Briefen, welche der im Jahre 1L92 verstorbene