Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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sichtspunkt der Münzeinheit aus betrachtet ist die Münzreform nicht alscleus ex maeiiin«. über das deutsche Münzwesen gekommen, sie ist nichtein plötzlicher Bruch mit der bisherigen Entwickelung, sondern deren be-friedigender Abschluß, allerdings in großem Stil, als die imposanteKrönung des Gebäudes, an welchem das ganze Jahrhundert gearbeitethatte.

Zweiter Abschnitt.Die innere Beschaffenheit des deutschen Geldumlaufs.

Mit unseren bisherigen Betrachtungen ist das Bild des deutschen Geldwesens zur Zeit der Reform uoch nicht völlig gezeichnet. Wir habendie Ausgestaltung und Ausbreitung der verschiedenen Münzsysteme, dieEntwickelung der Währungsverfassung und der staatsrechtlichen Münz-verfassung, also die Entwickelung der äußeren Form der deutschen Münz-verfassung dargestellt, aber mit dem Inhalt dieser Form haben wir unsbisher nur soweit beschäftigt, als dieser Inhalt auf die Gestaltung derForm einen bestimmenden Einfluß ausübte.

Wir haben nun die Beschaffenheit dieses Inhaltes zu untersuchenund zwar seine Zusammensetzung nach Metall- und Papierumlauf, fernerdie Beschaffenheit eines jeden dieser beiden Bestandteile.

Der gesamte Geldumlauf eines modernen Staatswesens bildet unternormalen Verhältnissen eine völlig einheitliche Masse. Es giebt inDeutschland nur eine Mark, in Frankreich nur einen Franken, in Eng-land nur ein Pfund, ob nun die konkrete Erscheinuugsform Gold, Silberoder Papier ist. Hundert Mark sind bei uns hundert Mark, gleichvielob man sie in Goldstücken, in Silberthalern oder in Reichsbanknoten undReichskassenscheinen in der Hand hat.

Auch wo dieser Zustand nicht besteht, ist er stets der gewallte understrebte. Das Agio bestimmter Geldsorten gegeneinander liegt nirgendsin der Intention des Gesetzgebers, es ist vielmehr eine Krankheit, welchedie Einheitlichkeit des gesamten Geldwesens zerstört, eine Krankheit, welchein einzelnen Staaten eine chronische geworden ist, ohne deshalb denCharakter des Anormalen zu verlieren.

Die Möglichkeit eines Auseinandersallens des Geldwesens ist überallvorhanden, denn überall ist das Geldwesen aus verschiedenartigen Bestand-teilen zusammengesetzt. Die Möglichkeit des Auseinandersallens ist größer