Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Münzsorten zu helfen gesucht, um deren thatsächlichen Durchschnittsgehaltzu ermitteln.

Dieses letztere Mittel steht uns in radikaler Ausdehnung für dieErkenntnis des Zustandes des deutschen Münzumlaufs vor der Reformzur Verfügung. Wir kenneil von jeder einzelnen Mllnzsorte den im Ver-lauf der Münzreform eingeschmolzenen Betrag und das Schmelzergebnis.Danach können wir den durchschnittlichen Metallgehalt der einzelnenSorten berechnen.

Wir gelangen auf diese Weise zu verhältnismäßig günstigen Re-sultaten

Von allen Kurantmünzen waren am stärksten abgenutzt die von1750 bis 1822 geprägten Thaler, nämlich um fast 1^2 Prozent, Fürdie von 1823 bis 1856 geprägten Thaler erhalten wir eine Abnutzungvon etwas über ^/s Prozent. Für die Vereinsthaler stellt sich ein Fein-gehaltsverlust vou 0,3 Prozent heraus. Am günstigsten ist das Ergebnishinsichtlich der Doppelthaler, welche nicht einmal 0,1 Prozent ihresNormalgewichtes eingebüßt hatten. Gulden und Doppelgulden stelltensich etwas besser als die Vereinsthaler. Ihre Abnutzung erreichte nichtganz 0,3 Prozent-

Der Goldumlauf kam, da Deutschland Silberwährung hatte, nichtausschlaggebend in Betracht. Für die süddeutschen Goldmünzen und dieDukateu sind specifizierte Nachweisungen über die Schmelzergebnisse nichtvorhanden. Bei den Friedrichsdoren und Pistolen erreichte der Minder-feingehalt nicht ganz 1 Prozent.

Im allgemeinen kann man also den Zustand des deutschen Geld-wesens von diesem Gesichtspunkte aus nicht gerade als einen unbefriedigen-den bezeichnen. In Anbetracht des Umstandes, daß vor dem Wiener Ver-trage in keinem Staate eine Abnutzungsgrenze festgelegt war, und daßder Wiener Vertrag die zulässige Abnutzung für die Vereinsthaler auf2 Prozent des Normalgewichts normiert hatte, war die Abnutzung derumlaufenden Kurautmünzen sogar eine unerwartet geringe. Nicht einmaldie in den Jahren 17501822 geprägten Einthalerstücke erreichten in ihremDurchschnitt die Abnutzungsgrenze des Wiener Vertrags. Die meistenumlaufenden Kurantmünzsorten zeigten eine Abnutzung, welche innerhalbder für unsre Reichsgoldmünzen festgesetzten Abnutzungsgrenze von V2 Pro-zent blieb.

- Vgl. Beiträge S. 104 und 10S.

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