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aller Banken und die Zettel aller Staaten als gleichwertig angesehen undin Zahlung genommen worden wären.
In rein juristischer Beziehung bildete der Papierumlauf noch vielweniger eine Einheit, als der deutsche Münzumlaus. Bezüglich des Münz-umlaufes machte kein deutscher Staat von dem Recht Gebrauch, denUmlauf von Münzen eines anderen Staates für sein Territorium zuverbieten. Dagegen bestanden in den wichtigsten deutschen Staaten,namentlich in Preußen und Bauern Verbote, fremde Noten und fremdesStaatspapiergeld in Umlauf zu setzen.
Aber diese Verbote, welche in der ersten Erbitterung über die klein-staatlichen Bankgründungen erlassen waren, ließen sich nicht durchführeilund kamen im Laufe der sechziger Jahre völlig in Vergessenheit.
Dennoch bestand zwischen den einzelnen Kategorien ein Unterschied.
Vor allem waren die Staatskassen, die Bankkassen, Eisenbahnkassenu. s, w. auch in Süddeutschland gegen fremdes Papiergeld und fremdeNoten weniger duldsam, als gegen fremde Münzen.
Im freien Verkehr wurden außer den Geldzeichen des eigenenStaates meist nur die preußischen Kassenscheine und die Noten derPreußischen Bank ohne Anstand genommen. Die übrigen Geldzeichen nahmman nur, wenn man sich ihrer nicht erwehren konnte, wenn man zufriedenwar überhaupt in irgend welchem Gelde bezahlt zu werden, oder in derHoffnung, sie bald wieder anbringen zu können. Vielfach wurden die„wilden Scheine", die Kassenscheine und Noten der „Raubstaaten", nurmit einem Abzug von einigen Prozenten in Zahlung genommen. Amschlimmsten standen sich dabei die mittleren und kleinen Geschäftsleute,denen es die Rücksicht auf ihre Kundschaft verwehrte, die wilden Scheinezurückzuweisen oder einen Abzug von ihrem Nennwert zu machen, unddie deshalb das Risiko eines Agioverlustes tragen mußten.
Daß die kleinstaatlichen Noten ein Disagio hatten, war teilweise fürdie Zettelbanken eine Quelle neuen Gewinns. Man sagte einigen dieserBanken nach, sie hätten an Wechselplätzen oder wo es sonst möglich war,ihre Noten unter Pari aufkaufen lassen, nicht etwa um sie einzuziehen,sondern vielmehr, um sie in Orten, wo man weniger geschäftserfahrenwar, in Kleinstädten und auf dem Lande, zu ihrem Nennwert wieder inUmlauf zu bringen.
Es ist sehr begreiflich, daß allgemein gegen die „wilden Scheine"die lebhafteste Erbitterung herrschte, eine Erbitterung, welche sich inweiten Kreisen nicht nur gegen die allzugroße Ausdehnung und die Aus-