Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

Zweites Kapitel.Die internationalen Münz - und Währungsverhaltnisse.

Erster Abschnitt.Die Entwickelung bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.

Die Entwickelung des Geldwesens in den einzelnen Staaten ist durchderen besonderen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt unddie Erfahrungen des letzten Vierteljahrhunderts haben eindringlich gezeigt,wie bedenklich aus dem Gebiet des Geldwesens die durch internationaleVerträge bedingte Preisgabe des Selbstbestimmungsrechtes ist. Gleichwohlhat sich mit der gewaltigen Ausdehnung der wirtschaftlichen Beziehungenvon Land zu Land das Juteresse jeder einzelnen Nation au dein wich-tigsten Verkehrsinstitute, dem Geldwesen, der andern Kulturstaaten be-trächtlich erhöht, uud die Notwendigkeit, bei der Gestaltung des eigenenGeldwesens die internationalen Münz- und Währungsverhältnisse zuberücksichtigen, ist immer größer geworden.

So kamen für das Deutsche Reich, als es an die Ordnung seinesGeldwesens herantrat, nicht nur diejenigen Gesichtspunkte in Betracht,welche sich aus dem Zustande des deutschen Geldumlaufs ergaben,sondern daneben auch Gesichtspuukte, welche in den internationalen Ver-hältnissen des Geldwesens, ihrer Entwickelung nnd ihren Entwickelungs-tendenzen begründet waren.

Zu der Zeit, als die Ordnung des deutschen Geldwesens immerdringender verlangt wurde, und als das neue Reich die endliche Lösungdieser Aufgabe in die Hand nahm, waren die internationalen Münz- undWährungsverhältnisse keineswegs in einem Zustande ruhigen und fest-begründeten Beharrens; sie befanden sich vielmehr in vollem Flusse leb-hafter Veränderungen und Umbildungen.