Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Doppelwährung' bezeichnen zu dürfen. Weil auch das nähere Ziel, dasfeste Wertverhältnis und die Vertretbarkeit der gleichmetallischen Sortennicht erreicht wurde, deshalb gab es damals auch keine Parallelwährung:es gab damals überhaupt noch keine Währungssysteme, es gabkein einheitliches Geld und keinen einheitlichen Geldwert,sondern nur einzelne Münzsorten und Gruppen von Münz-sorten.

Deshalb gab es auch keineWährungsfrage".

Der Staat prägte aus jedem der beiden Edelmetalle nicht nureine, sondern verschiedene Münzsorten, für deren Erhaltung auf ihremursprünglichen Metallwert er keine Sorge trug. Dem Publikum wares überlassen, auf die eine oder die andere dieser Sorten zu kontrahieren.Erst als es dem Staate gelang, die einzelnen Sorten zu einem festenGeldsysteme zu vereinigen, trat an ihn die Frage heran, von welchemkonkreten Wertgegenstand, speciell vom Werte welchen Metalls der Wertdieses einheitlichen Geldes abhängig sein sollte,', vom Golde, vom Silberoder die Möglichkeit vorausgesetzt vom Werte 'beider, unter sichselbst zu einer Einheit verbundenen Edelmetalle.

Natürlich legte man sich diese Frage nirgends in klarer Formu-lierung vor. Die ganze Entwickelung war eine unbewußte. Man tastetemit Versuchen, die durch die wachsende Notwendigkeit eines einheitlichenGeldsystems hervorgerufen wurden, gewissermaßen im Duukelu.

Mau erstrebte zunächst nur die Vertretbarkeit und das feste Wert-verhältnis der einzelnen Münzsorten; dabei dachte man nicht an das,was wir heuteWährungsfrage" nennen; man überlegte nicht, ob manfür das angestrebte einheitliche Geldwesen Gold oder Silber oder beideMetalle als Grundlage annehmen sollte; man lehnte sich vielmehr überallan den thatsächlich vorhandenen Münzumlauf an und experimentierte.Ausschlaggebend war eiuzig und allein, wie man zu dem gewallten Ziel,der Einheitlichkeit des Geldwesens, gelangen könnte, also der Gesichts-puukt der praktischen Durchführbarkeit eines Geldsystems, nicht die Frage,welches Währungssystem, seine Durchführung vorausgesetzt, den Vorzugverdiene.

Es erscheint natürlich, daß man zunächst das System anstrebte,welches wir heute Doppelwährung nennen, nicht etwa weil man von der

i Lexis, Handwörterbuch der Staatswissenschaften: Art.Parallelwährung"und Art.Doppelwährung".