Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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der Entwickelung der allgemein-wirtschaftlichen Verhältnisse in den einzelnenLändern zu verschiedenen Resultaten.

In England ! kam die Entwickelung, entsprechend der am weitestenvorgeschrittenen allgemein-wirtschaftlichen Kultur dieses Staates, amfrühesten zu einem Abschluß.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahm England , nachvergeblichen Versuchen, ein festes Wertverhältnis zwischen seinen Silber-und Goldmünzen zu erzwingen und dabei beide Metalle im Umlauf zuerhalten, die Parallelwährung an. Der Wert der damals neu ein-geführten Goldmünze, der Guinea , wurde nicht gesetzlich festgelegt, son-dern das Verhältnis zwischen Silber- und Goldmünzen sollte durch denfreien Verkehr bestimmt werden.

Zu einer völligen Trennung des goldenen und silbernen Teils desenglischen Geldwesens kam es jedoch nicht. Die Guinea sollte von denöffentlichen Kassen zu ihrem Tageskurs an Stelle des Silbergeldes inZahlung genommen werden.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts trat eine rapide Gewichts-verringerung des umlaufenden Silbergeldes ein, hervorgerufen teilweisedurch die natürliche Abnutzung, teilweise durch betrügerisches Beschneidenund Befeilen der Silbermünzen. Der Kurs der Guinea , welche voll-haltig blieb, stieg infolgedessen sehr stark. Während diese Goldmünzeursprünglich als ein Zwanzig-Schillingstück gedacht war, erreichte sie imAugust 1695 einen Kurs von 30 Schillingen .

In diesen Schwankungen im gegenseitigen Wert der beiden Teiledes englischen Geldes sah man einen unerträglichen Mißstand. Außerdemsah sich die Regierung durch das fortgesetzte Steigen des Guineakursesin ihrer Absicht, den Silberumlauf zu reformieren, sehr behindert. Eswar klar, daß sich bei dem hohen Guineakurs kein vollwichtiges Silber-stück würde im Umlauf erhalten können.

Deshalb schritt die Regierung ein, und um ein weiteres Steigen desGuineakurses zu verhindern, verbot sie den öffentlichen Kassen, die Guinea zu einem höheren Kurse als zu 30 Schillingen in Zahlung zu nehmen.

Die Wirkung war, daß die Guinea auch im freien Verkehr nichthöher bewertet wurde, obwohl das Silbergeld um die Hälfte abgenutzt

i Vgl. Kalkmann, Englands Übergang zur Goldwährung im 18. Jahrhundert.1895, und Beiträge S. 37 ff.