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gewesen sein soll und somit einen Guineakurs von etwa 40 Schillingen gerechtfertigt hätte.
Andererseits ging der Kurs der Guinea , als das abgenutzte Silber-geld eingezogen und durch vollwichtiges ersetzt wurde, nicht automatischunter den Kurs von 30 Schillingen herab. Daran war offenbar derUmstand schuld, daß die öffentlichen Kassen die Guinea zum Tageskurseannahmen. Solange diese Kassen die Guinea zu 30 Schillingen an-nahmen, ging auch ihr Wert im freien Verkehr nicht unter 30 Schillingeherab, und andererseits setzten die öffentlichen Kassen den Kurs derGuinea nicht niedriger an, solange ihr Kurs im freien Verkehr nichtherabging. Die eigentümliche Modifikation der Parallelwährung, welchevon Anfang an bestand, ermöglichte augenscheinlich nur ein Steigen, nichtaber ein Sinken des Guineakurses. So kam es, daß der seit 1695 für dieöffentlichen Kassen vorgeschriebene Maximalkurs der Guinea zu gleicherZeit auch ihr Minimalkurs war.
Mit der Auferlegung eines Maximalkurses war also die bestehendeParallelwährung in einem zweiten Punkte modifiziert worden, und zwarso erheblich, daß sie von nun ab wie eine Doppelwährung wirkte. DerVersuch, vermöge der Parallelwährung beide Metalle in zweckdienlicherWeise im Umlauf zu erhalten, war bereits nach drei Jahrzehnten so gutwie völlig gescheitert. Der bereits fein entwickelte Körper der englischenVolkswirtschaft wehrte sich gegen die durch das System der Parallel-währung gegebene Möglichkeit großer Schwankungen zwischen Gold- undSilbergeld. Die Versuche, Abhilfe zu schaffen, führten zu einem kom-plizierten System, welches in seinen Wirkungen abermals aus die Doppel-währung hinauskam, deren Folgen wenige Jahrzehnte zuvor zur An-nahme der Parallelwährung geführt hatten.
Dieselben Folgen zeigten sich nun abermals. Da in der Tarifierungder Guinea zu 30 Schillingen , und auch in der späteren herabgesetzteilTarifierung zu 21^2 Schillingen , das Gold, gegenüber der Marktrelation,überwertet, das Silber unterwertet war, verschwanden alle vollwichtigenSilbermünzen aus dem Umlauf. Nur solche Stücke, deren Abnutzunggroß genug war, um die Einschmelzung unlohnend zu macheu, hieltensich in der Zirkulation. Die ganze große, mit enormen Kosten durch-geführte Reform der Silbermünzen war umsonst. Es gelang nicht, einenvollwichtigen Silberumlauf herzustellen, und als sich ein empfindlicherMangel an Silbermünzen für den Kleinverkehr zeigte, gelang es nicht.