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diesem Übelstand abzuhelfen, da alle neugeprägten Stücke, weil vollwichtig,sofort wieder verschwanden.
Dagegen erfuhr der englische Goldumlauf eine bedeutende Aus-dehnung. England wurde zu einem thatsächlichen Goldwährungslandund hielt seinen Golduinlauf von nun an dauernd fest. Ermöglichtwnrde diese Entwickelung sehr wesentlich durch das starke Anwachsen derGoldproduktion gegeu Ende des 17. Jahrhunderts.
Im Jahre 1717 wurde ein letzter Versuch gemacht, zu einem gutenuud genügenden Silberumlauf zu kommen. Auf Newtons Rat wurdeder Kurs der Guinea von 21 auf 21 Schillinge herabgesetzt. Dieserneue Kurs entsprach einem Wertverhältnis von 15,2 : 1 zwischen Silberund Gold, während nach Newtons eigener Aufstellung das damaligeWertverhältnis im freien Verkehr 14,97 : 1 war. Diese Herabsetzungwar also nicht groß geuug, um den Grund des schlechten und allzu-kleinen Silberumlaufs, uämlich die Unterwertung des Silbers, zu beseitigen.
Gleichzeitig mit dieser Herabsetzung des Guineakurses wurde auchder letzte Rest der formell noch bestehenden Parallelwährung aufgegeben.Während die bisherigen Tarifierungen der Guinea nichts waren, alsMaximalkurse, welche deu Kassen auferlegt wurden, die aber ohne jedeVerbindlichkeit für den Privatverkehr waren, wurde im Jahre 1717-derGuinea ein fester gesetzlicher Kurs von 21 Schillingen beigelegt,zu welchem sie von jedermann in Zahlung genommen werden mußte.
Das war die völlige Rückkehr zur Doppelwährung, und zwar, daseit langer Zeit die freie und sogar unentgeltliche Ausprägung beiderMetalle gesetzlich garantiert war, zu einem bimetallistischen Sustemim reinen und modernen Sinne des Wortes.
Der Gedanke, daß man durch ein solches bimetallistisches Systemdas Wertverhältnis der beiden Edelmetalle im freien Verkehr aus dievom Gesetzgeber angenommene Relation festlegen könne, existierte aller-dings damals noch nicht. Unsere heutigen Bimetallisten haben keinenGruud, die Autorität Newtons für ihre Theorie in Anspruch zu nehmen.Seine Intentionen waren nicht darauf gerichtet, den Marktwert derEdelmetalle zu beeinflussen, sondern darauf, der Marktrelation, der Edel-metalle möglichst nahe zu kommen und dadurch einen gleichzeitigen Um-lauf beider Metalle zu ermöglichen, eine Absicht, welche in Anbetrachtder stetigen Veränderungen des Wertverhältnisses allerdings nur durchfortwährende Veränderungen des Kurses der Goldmünzen hätte erreichtwerden können.