Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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im Gelde des gewöhnlichen Verkehrs allzulästig empfunden worden wäre.Man blieb deshalb bei der Parallelwährung, und dieses System verhinderteseinerseits eine kräftige Ausbildung des Goldumlaufs, ja es führte, wiewir gesehen haben, zu einer völligen Verkrüppelung der Goldzirkulationund ward dadurch schließlich zu einer Silberwährung, deren feierlicheProklamation im Wiener Münzvertrag einen Verzicht auf das Gold be-bedeutete.

Solange Deutschland ohne Unzuträglichkeiten des Goldes entratenkonnte, war diese Lösung eine befriedigende. Sobald aber die Entwickelungder allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse die Notwendigkeit einer Gold-zirkulation schuf, stand Deutschland vor derselben Frage, welche in Eng-land zur Goldwährung gedrängt hatte, vor der Frage: wie läßt sich inzweckentsprechender Weise ein Goldumlaus und ein Silberumlauf ver-einigen?

Frankreich blieb im Gegensatz zu Eugland und Deutschland beiden Versuchen, ein festes Wertverhältnis zwischen seinen Gold- undSilbermünzen im Wege der gesetzlichen Tarifierung herzustellen. DieseTarifierungen wurden während des siebenzehnten und achtzehnten Jahr-hunderts häufig geändert, da sie stets nach kurzer Zeit in Widerspruchmit dem im freien Verkehr geltenden Wertverhältnis zwischen den beidenEdelmetallen standen.

Die letzte Tarifierung ist enthalten in einer Deklaration von 1785. Sieberuhte auf einem Wertverhältnis von 15^2:1 zwischen Silber und Gold.

Dieses Wertverhältnis wurde von nun an beibehalten, auch iu demMünzgesetz aus dem Jahre XI. der Republik (1803), welches an Stelledes alten französischen Münzsystems ein neues mit demFrank" alsMünzeinheit setzte.

Während in dieser Relation anfänglich das Gold günstiger bewertetwar, als seinem Marktpreise entsprach, führte ein Steigen des Gold-wertes gegenüber dem Silberwert im freien Verkehr dahin, daß seitBeginn unseres Jahrhunderts das Silber in der französischen Relationüberwertet erschien.

Die Folge war, daß fast ausschließlich Silber geprägt wurde, währenddas Goldgeld immer mehr sich aus dem freien Umlauf zurückzog.

So kam auch Frankreich zu einem weit überwiegenden Silberumlauf.Die goldenen Zwanzigfrankstücke notierten au der Pariser Börse einschwankendes, zeitweise beträchtliches Agio.

Ebenso herrschte das Silber vor in den Ländern, welche später mit