Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

Um einen Goldumlaus möglich zu machen, wurde im Jahre 1834 diegesetzliche Relation zwischen Gold und Silber auf 1:16 abgeändert. Indieser neuen Relation war nun, umgekehrt wie früher, das Gold zu günstigbewertet, das Silber zu ungünstig. Die Folge war, daß Amerika wohlzu einem Goldumlauf kam, daß es aber seinen bisherigen Silberuinlaufvöllig verlor. Einheimische Silbermünzen hielten sich meist nur mitAgio im Verkehr, uud neben ihnen versah eine Reihe ausländischerSilbcrmünzsorten, die zu ihrem Kurswert gegeben und genommenwurden, den Dienst von Scheidemünzen.

Außer England und den Vereinigten Staaten war die Währuugs-verfassuug kleinerer Staate», wie Portugal , auf das Gold begründet,ebenso diejenige wichtiger englischer Kolonien, namentlich das GeldwesenCanadas, des Kaplands und Australiens .

Dagegen herrschte die Silberwährung in den meisten übrigen Ländern,namentlich in Indien (gesetzlich seit 1835) und in Ostasien .

In dein weitaus größten Teil der Erde, soweit sie wirtschaftlich inBetracht kommt, war also das Geldwesen auf das Silber begründet,während das Gold entweder gar keine oder eine nur nebensächliche Ver-wendung fand. England , das gesetzliche Goldwährung hatte, und dieVereinigten Staaten , welche thatsächlich einen fast ausschließlichen Gold-umlauf besaßen nnd deren Valuta fo gut wie die englische vom Goldabhängig war, nahmen währungspolitisch eine isolierte Stellnng ein.

Die Erfahrungen des letzten Vierteljahrhunderts, namentlich dieaus der Silberentwertung hervorgegangenen Schwankungen in denValuten der Silberländer, haben uns die handelspolitischen Bedenkenund Gefahren der Währungsverschiedenheit erkennen lassen. In der erstenHälfte dieses Jahrhunderts dagegen war der Währungsuuterschiedvon verhältnismäßig harmloser Natur, und zwar aus folgendenGründen:

Der ganze Handel war noch nicht so sehr ausgestaltet und fein-fühlig wie heute. Das Risiko uud die Gewinn-Chancen waren in gleicherWeise größer als bei dem heutigen Geschäft, Veränderungen in denWechselkursen, welche heute als sehr störend empfunden würden, hattendeshalb damals eine geringere Bedeutung.

Vor allem aber wurde der Währungsuuterschied zwischen England und Nordamerika einerseits und den Ländern mit gesetzlicher oder that-sächlicher Silberwährung andererseits dadurch erträglich, daß die Ver-änderungen in dem gegenseitigen Wert der beiden Edelmetalle Verhältnis-