Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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welche nicht das Frankensystem als solches zum Weltmünzsystem machenwollten, sondern nur empfahlen, daß bei künftigen Münzreformen inLändern, welche nicht das Frankensystem besaßen, das goldene Fünf-frankenstück von !/°so I(A "/io feinen Goldes als ^äonoirlinat<zai- eouiraun"angenommen werden möge. Mit andern Worten, man empfahl die An-nahme von Rechnungseinheiten, welche leicht auf dieses Fllnffrankeustückreduziert werden könnten.

Obwohl die Vorschläge des Herrn de Parieu widerspruchlos angenommenwurden, obwohl die meisten Reden in fast überschwenglicher Weise dieWeltmünzeinheit feierten, obwohl nirgends in der Konferenz und in derLitteratur der Gedanke der Weltmünzeinheit an sich in Zweifel gezogenwurde, zeigte doch der Verlauf der Verhandlungen jedem tiefer Blickenden,daß wenig Aussicht auf Verwirklichung der Parieu 'schen Pläne vor-handen war.

Diejenigen Staaten, deren Vertreter am lebhaftesten für die Welt-münzeinheit eintraten, waren abgesehen von Frankreich selbst Ländermit zerrütteten Währungsverhältuisseu, namentlich Rußland, Österreich-Ungarn und die Vereinigten Staaten .

Dagegen verhielt sich das wichtigste aller Länder, England , außer-ordentlich zurückhaltend. Der englische Delegierte erklärte unverhohlen,seine Regierung habe die Einladung zur Konferenz nur angenommen,weil eine Ablehnung ein Mangel an Courtoisie gewesen wäre. England befinde sich in münzpolitischer Beziehung in einer weit unabhängigerenLage als die meisten Staaten des Festlandes (was offenbar besagen sollte:da das englische Geld ohnedies in der ganzen Welt genommen wird,kann England eine Weltmünzeinheit leichter entbehren, als die Staatendes Kontinents mit beschränktem Geltungsbereich ihrer Münzen). Solangedas bestehende englische Münzsystem an sich keine Mängel zeige, und so-lange es nicht unwidersprechlich bewiesen sei, daß die Annahme einesneuen Systems hinlänglich bedeutende Vorteile biete, um das Aufgebendes bewährten und in den Volksgewohnheiten eingewurzelten Systemszu rechtfertigen, könne die englische Regierung nicht daran denken, dieInitiative zu eiuer Münzeinigung mit dem Kontinent zu ergreifen.

Ähnlich reserviert erklärte sich Holland , und zwar aus Gründen,welche mit seiner Silberwährung zusammen hingen. Auch der preußischeVertreter erklärte, nicht sagen zu können, ob die deutschen Staatenohnedie Interessen und Ansichten ihrer Bevölkerung zu sehr zu verletzen,irgend eine zu den französischen Goldmünzen in einfachem Verhältnis

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