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entsprach es, daß Frankreich den Münzvertrag den europäischen Regierungenoffiziell mitteilte und sie zum Beitritt aufforderte.
Der Erfolg war zunächst nicht groß. Griechenland trat der Münz-union formell bei. Der Kirchenstaats Spanien und Rumänien nahmen,ohne dem Münzbund beizutreten, das Frankensystem an. Die übrigenRegierungen trugen Bedenken, ihr Geldwesen mit demjenigen Frankreichs zu verbinden, Bedenken, welche nur auf dem Wege langwieriger Verhand-lungen bekämpft werden konnten. Unter diesen Bedenken war daswichtigste der Zweifel an der Richtigkeit des der lateinischen Union zu-grunde liegenden Währungssustems, welches mit dem Fünffrankenthalerformell den Bimetallismus aufrecht erhielt. Dadurch mußten die vonFrankreich eingeleiteten Verhandlungen über die Weltmünzcinheit zueinem großen internationalen Meinungsaustausch über die Währungs-frage werden. In diesem Umstände liegt die Wichtigkeit dieser vonFrankreich eingeleiteten Unterhandlungen für die deutsche Münzreform.
Im Jahre 1867, zur Zeit der Pariser Weltausstellung , berief die fran-zösische Regierung eine internationale Münzkonferenz, welche überdie Grundlagen, auf welchen sich eine Weltmünzeinheit errichten ließe, beratensollte. Neunzehn europäische Regierungen und außerdem die VereinigtenStaaten von Amerika entsendeten zu dieser Konferenz offizielle Vertreter.Allerdings hatte die Konferenz nur den Charakter einer unverbindlichenBesprechung, welche die Grundlage für weitere Unterhandlungen liefernsollte. Aber wenn auch diese Versammlung keine Beschlüsse vonsofortiger praktischer Tragweite fassen konnte, so gestatteten doch ihre Ver-handlungen die wichtigsten Einblicke in die Stellung, welche die verschiedenenRegierungen zur Münzfrage einnahmen, und sie enthüllten die Absichten,welche die einzelnen Staaten in ihrer Münzpolitik verfolgten.
Die Verhandlungen standen unter der geschickten Leitung des Vize-präsidenten des französischen Staatsrates, des Herrn de Parieu, welchersich in den Vorsitz mit dem Prinzen Napoleon teilte. Er war ein zufeiner Diplomat, um sein ganzes Ziel, einen Weltmünzverein auf Grunddes französischen Systems, auf einmal erreichen zu wollen; er begnügtesich mit den bei der obwaltenden Stimmung erreichbaren Beschlüssen,
> Dem Ansuchen des Kirchenstaates, in die Union anfgenommen zu werden,konnte nicht entsprochen werden, da der Kirchenstaat nicht weniger als 37 Frankenpro Kopf seiner Bevölkerung an nnterwertigen Scheidemünzen ausgeprägt hatte undsich weigerte, dieses Scheidemllnzauantum ans den im Münzvertrag festgestellten Betragvon 6 Franken pro Kopf zu reduzieren.