Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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die Herstellung einer bloßen Währungsgleichheit, die ohne jede vertrags-mäßige Abkunft denkbar war.

Wenn nun die Bestrebungen nach einer Weltmttnzeinheit sich alsunerreichbar herausstellten, so konnte darin kein Grund liegen, auch dieBemühungen um eine Währungsgleichheit zwischen den handelspolitischwichtigsten Staaten aufzugeben; für Deutschland insbesondere wurdendamit diese Bestrebungen nur auf ihre ursprüngliche Begrenzung reduziert.Die Währungsgleichheit verhielt sich eben zur Münzeinheit nicht wie dasMittel zum Zweck, sondern wie die teilweise Erreichung zur gänzlichenErfüllung des Zweckes. Und das Votum der Pariser Konferenz, daßdie Münzeinheit nur auf Grundlage der Goldwährung erreichbar sei,besagte gleichzeitig, daß auch eine Währungsgleichheit für die wichtigstenHandelsvölker nur auf Grundlage der Goldwährung gedacht werden könne.

Am schärfsten widerlegt wird die bezeichnete Wortklauberei durch dieVerhandlungen über den fraglichen Beschluß. Aus den Erklärungen dereinzelnen Delegierten ergab sich folgendes Bild der thatsächlichen Lage:

Belgien, Italien und die Schweiz , welche schon bei der Gründungdes lateinischen Münzbundes die Goldwährung verlangt hatten, hieltenan dieser Forderung fest. Die Erklärungen des österreichischen und desamerikanischen Bevollmächtigten ließen keinen Zweifel, daß ihre Re-gierungen den Plan verfolgten, ihr Geldwesen auf dem Boden der Gold-währung wiederherzustellen.

Österreich hatte, wie wir wissen, bereits im Jahre 1854 beantragt,die Goldwährung zur Grundlage des deutschen Münzvereins zu machen.Sein Delegierter auf der Pariser Konferenz, Baron von Hock, war einerder eifrigsten Verfechter der Goldwährung. Die Ernsthaftigkeit seinerAbsichten dokumentierte Österreich wenige Tage nach dem Schluß derKonferenz dadurch, daß es mit Frankreich eine Präliminar-Konventionüber seinen Beitritt zur Münzunion abschloß, welche als Vorbedingungfür beide Teile den Übergang zur Goldwährung festsetzte.

Die Vereinigten Staaten hatten bereits feit so langer Zeit die that-sächliche Goldwährung, daß das formelle Fortbestehen des bimetallistischenSystems vermöge des freien Prägerechts für den Silberdollar, von welchemniemand Gebrauch machte, fast gänzlich in Vergessenheit geraten war. Daszeigte sich auch während der Papiergeldperiode deutlich darin, daß die Er-hebung der Zölle in Gold erfolgte, und daß die Zinsen der effektivenNationalschuld inGold gezahlt werden mußten. Auf der Pariser Konferenz