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sprach sich der amerikanische Delegierte, Samuel B. Ruggles , in der un-zweideutigsten Weise über die Währungsfrage aus. Er sagte:
„Die Gesetzgeber und das Volk der Vereinigten Staaten habengenugsam die Erfahrung gemacht, wenn nicht durch Studium, so dochdurch Erlebtes, daß das System der Doppelwährung nicht nur eineUnklugheit sondern eine Unmöglichkeit ist."
Dazu kam, daß England mit dem größten Teil seiner Kolonien dieGoldwährung besaß und nicht die mindeste Neigung zeigte, sie aufzugeben.Die englische Regierung erklärte vielmehr auch in der Folgezeit auf daswiederholte Drängen Frankreichs auf das bestimmteste, daß mit einemDoppelwährungs-Lande jede Münzeinigung ausgeschlossen sei^.
Gegenüber der Haltung dieser wichtigen Staaten konnte es keinenEindruck machen, daß einzig und allein die Niederlande sich einemÜbergang zur Goldwährung grundsätzlich abgeneigt zeigten, zumal daihr Vertreter auf der Pariser Konferenz erklärte, für eine Doppelwährung,welche er theoretisch für die beste Währungsverfassung halte, nur unterder Voraussetzling stimmen zu können, daß ein allgemeiner Münzvereinauf dieser Grundlage zu stände käme. Bei der Haltung der wirtschaft-lichen Großmächte, namentlich Englands , war von vornherein jedeuniverselle Doppelwährung ausgeschlossen.
Von größerer Wichtigkeit als die Stellung der Niederlande war dasVerhalten Frankreichs. Sobald Frankreich definitiv das bimetallistischeSystem preisgab und unwideruflich auf die Seite der Goldwährungs-länder hinübertrat, war für die Länder der europäischen Kultur dieWährungssrage praktisch entschieden. Für die übrigen Länder, welchenoch Silberwährung hatten, wäre dann nichts übrig geblieben, alsgleichfalls die Goldwährung anzunehmen, oder die Nachteile eines isoliertenWährungssystems zu ertragen.
Für Frankreich selbst lag zur Zeit der Pariser Münzkonferenz nochkein unbedingt zwingender Grund zu einer über die Bestimmungen deslateinischen Münzvertrages hinausgehenden Änderung seiner Währungs-gesetzgebung vor. Die minderwertige Ausprägung der kleineren Silber-münzen sicherte dem Umlauf dieses unentbehrliche Verkehrsmittel, undder günstige Stand des Silberpreises verhütete, daß der seit 1850 an-gesammelte Goldumlauf durch die frei ausprägbaren Fünffrankenthalerverdrängt wurde. Solange das Silber aus dem Markte so hoch stand,
! So der Schatzkanzler Löwe im Unterhaus am 6. August 1869.