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Vor allem wurden an die Handelskammern und an die ti^sorisi-s-xg,^6ui'8-ssQ<zi-a.ux, die General-Steuereinnehmer, denen man eine be-sondere Kenntnis der Bedürfnisse des Geldverkehrs zutraute, Fragebogenausgegeben.
Die Antworten fielen überwiegend zu Gunsten der Goldwährungaus. Von 66 Handelskammern erklärten sich 45, von 91 Finanzagenten69 für die Goldwährung. An sich ist der Wert der großen Mehrzahldieser Gutachten überaus gering. Namentlich die Finanzagenten gingenfast durchweg nur von den kleinlichsten und krämerhaftesten Gesichts-punkten aus und faßten die ganze Frage als eine Frage der Beliebtheitund Zweckmäßigkeit des Fünffrankenstückes auf.
Im Gegensatz zur Mehrheit der Handelskammern uud der General-Steuereinnehmer trat die Bank von Frankreich in einem ausführlichenGutachten für die Aufrechterhaltung der Doppelwährung ein.
Die Enquete-Kommission selbst gelangte zu keinem einstimmigen Be-schluß, aber ihre große Mehrheit (17 vou 23 Stimmen) empfahl „unterdem Gesichtspunkt sowohl der Münzeinigung als auch des auswärtigeuHandels und des inneren Verkehrs" das Silber als Kurantgeld zu be-seitigen, mindestens aber sofort die Ausprägung der Fünffrankenthalerzu begrenzen oder ganz einzustellen und deren Zahlungskraft anf Summenbis zu 100 Franken zu beschränken.
Hier hatte also Parieu einen vollständigen Sieg erfochten.
Dennoch folgte auf diese Kommission nicht ein ihren Vorschlägenentsprechender Gesetzvorschlag. Der Finanzminister, welchem die Aus-arbeitung einer solchen Vorlage zugekommen wäre, fügte sich dem Urteilder Kommission noch nicht. Er erstattete vielmehr unter dem 9. November1869 an den Kaiser einen Rapport, in welchem er auf die sich wider-sprechenden Beschlüsse der Kommissionen von 1867 und von 1868/69aufmerksam machte und die Frage als noch nicht hinreichend geklärt be-zeichnete; jede Überstürzung sei zu vermeiden, und eine Ergänzung derInformationen erscheine ihm notwendig.
Auf den Antrag des Finanzministers wurde die Währungsfrageeinem neuen Forum vorgelegt, und zwar dem Lovssil suxsrisur ckusorarnsi-cs, äs I'-^Ai-ieuIturs st äs l'inckusti-is. Dieser oberste Rat ver-anstaltete abermals eine umfangreiche Enquete. Er tagte vom November1869 bis in den Juli 1870 und vernahm eine große Anzahl von Sach-verständigen aller Länder und aller Parteien.