Drittes Kapitel.
Die Entwickelung der Reformgedanken.
Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Geschichtschreibung,die Entwickelung geistiger Bewegungen darzustellen, welche sich in weitenKreisen, in der sogenannten öffentlichen Meinung, abspielen. Besondersschwierig ist diese Ausgabe, wenn diese Bewegungen so vielgestaltige,vielfach unklare und verworrene sind, wie die Bestrebungen zur Reformdes deutschen Geldwesens.
Die eingehende Darstellung des Zustandes des deutschen Geldwesensund der Lage der internationalen Währnngsverhältnisse vor Beginn derMünzreforin giebt uns hier einen festen Untergrund; sie zeigt uns, wodie Kritik und die positiven Reformvorschläge einsetzen konnten nnd mußten.
Wenn wir die wichtigsten Punkte ins Auge fassen, in welchen eineReform notwendig war, dann drängt sich die Unterscheidung auf zwischender Reform des eigentlichen Münzwesens uud der Reform der papiernenUmlaufsmittel. So sehr auch die Mißstände des Papierumlaufs mitden Mängeln des eigentlichen Münzwesens in Verbindung standen, ent-wickelten sich doch die Neformbestrebungen auf beiden Gebieten ver-hältnismäßig selbständig. Die Reform des Papierumlaufs erschien vielmehr als ein Teil der „Bankreform", denn als ein Teil der „Münz-reform"; sehr begreiflich und natürlich, soweit die Banknoten in Betrachtkamen; aber auch die Reform des staatlichen Papiergeldes, soweit über-haupt an seine Reform und nicht an seine völlige Beseitigung gedachtwurde, erschien dadurch mit der Bankreform aufs engste verknüpft, daßvielfach der Gedanke verbreitet war, man könne die Einzelregierungen fürdie Einschränkung oder den Wegfall der ihnen aus dem Staatspapiergelderwachsenden Vorteile auf dem Wege der Vankgesetzgebung entschädigen.