Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Erster Abschnitt.Die Bestrebungen znr Reform des Papiermnlanfs.

Über die Bestrebungen zur Reform des Papiergeld- und Bankwesenskönnen mir verhältnismäßig kurz hinweggehen; nicht etwa weil dieseBestrebungen von vornherein besonders abgeklärt gewesen wären, sondernweil sie bereits in einem Werk über die deutsche Bankreform ausführ-lich dargestellt sind>. Wir fassen deshalb diese Entwickelung nur inaller Kürze zusammen.

Die Aufklärung der Geister über den Unterschied zwischen Staats-papiergeld und Banknote vollzog sich verhältnismäßig langsam. Nochzur Zeit der Münzreform gab es eine nicht geringe Anzahl von Wirt-schaftspolitikern, für welche ein Unterschied in den wirtschaftlichen Funk-tionen dieser beiden Arten von Papiergeld nicht vorhanden war. DieseGruppe von Theoretikern (Augspurg, Perrot, Tellkampf, Mohl, Geffcken)verkannte das Wesen der Banknote vollständig. Sie sahen in dein Noten-umlauf, welchem nicht ein Äquivalent von metallischein Geld in der Kassegegenüberstand, ebenso wie in dem Staatspapiergeld eine uugerechtsertigteund schädliche Vermehrung des Geldumlaufs; ungerechtfertigt, weil sieden Zweck der Banknote, dem Geldumlauf die infolge der großenSchwankuugen des Geldbedarfs notwendige Elasticität zu verleihen, nichterkannten; schädlich, weil sie zumeist Anhänger der oberflächlichstenSorte von Quantitätstheorie eine Entwertung des Geldes als dienotwendige Folge der Vermehrung des Geldumlaufs durch die papieruenZahlungsmittel ansahen ^. Als Ursache der Ausgabe nicht nur desStaatspapiergeldes, sondern auch der ungedeckten Banknote, sah dieseSchule lediglich das Bestreben an, sich einen Zinsgewinn aus fiktivenKapitalien zu verschaffen. Allerdings ist nicht zu leugnen, daß diese Auf-fassuug durch den Geschäftsbetrieb einiger kleinen Banken nur allzusehrbestärkt wurde. Wie wir gesehen haben, kam es diesen keineswegs daraufan, die volkswirtschaftlichen Aufgaben einer Notenbank zu erfüllen,sondern nur darauf, möglichst viele ungedeckte Noten in Verkehr zu setzen.

! Walther Lotz, Geschichte und Kritik des deutschen Bankgesetzes vom 14. März1876. Leipzig 1888.

2 Augspurg , Die Bankfrage. Annalen 1871. S. 1048:Beide (Staats-papiergeld und Banknoten) vermehren die Zahlungsmittel in künstlicher Weise undbewirken dadurch eine partielle Entwertung des Edelmetalls". Siehe auch Perrot,Annalen 1871. S. 320.