Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Gegen Ende der fünfziger Jahre trat neben dieser Forderung eineStrömung für den Übergang zur Goldwährung deutlicher hervor;noch etwas später trat mit Macht das Verlangen auf, mit der nationalenMünzeinheit zugleich eine internationale Münzeinigung herbei-zuführen.

Diese beiden Strömungen sind auf internationalem Boden entstanden,und ihre Ausgestaltung war von der internationalen Entwickelung inhohem Grade beeinflußt.

Wie die Goldwährung fo ist auch die Goldwährungstheorie englischerHerkunft. Wir wissen, daß früher für die Münzfrage nicht der Gesichts-punkt maßgebend war, welches Währungssvstem an sich das vorzüglichstesei, sondern der Gesichtspunkt der praktischen Durchführbarkeit eines ge-schlossenen Münzsvstems, der Aufrechterhaltung des festen Verhältnisseszwischen den verschiedenen Müuzsorten und der Erhaltung beider Metalleim Umlauf. Die Goldwährungstheorie in England entstand, als dieGestaltung der thatsächlichen Umlaufsverhältnisse den Engländern gezeigthatte, unter welchen Bedingungen sich bei überwiegendem GoldlimlaufSilbergeld im Umlauf halten lasse. Das Problem der Sicherung einesausreichenden Silberumlaufs bei gleichzeitiger Erhaltung des überwiegendenGoldumlaufs war die Währungsfrage Englands im achtzehnten Jahr-hundert, und die Goldwährung war die Lösung dieses Problems.

Als man sich gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts anschickte,die bestehende thatsächliche Goldwährung in eine gesetzlich festgelegte zuüberführen, da wurden allerdings von den Vertretern dieser Maßregel,namentlich von Lord Liverpool , bereits Gesichtspunkte geltend gemacht,nach welchen die Goldwährung an und für sich vorzuziehen sei.

Gegen die Doppelwährung hatte man schon seit einem Jahrhundertdie bekannte Theorie Lockes, daß es nur einen Wertmesser geben könne.Die Doppelwährung erschien also a xi-iori verwerflich. Für die Gold-währung stellte nun Lord Liverpool die Theorie auf, daß die Völker beifortschreitender Kultur vom weniger wertvollen zum kostbareren Münzmetallübergehen, und daß für England in Anbetracht seiner hohen wirtschaft-lichen Entwickelung ein überwiegender Goldumlauf, welcher, wie die Er-fahrung gelehrt hatte, nur durch die Goldwährung dauernd gesichertwerden konnte, notwendig sei.

In der Formulierung Liverpools ist diese Theorie zweifellos historischunrichtig. Die ältesten Münzen waren nicht etwa eiserne oder kupferne,sondern Goldmünzen. Richtig ist dagegen, daß mit der fortschreitenden