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Kultur, mit welcher eine fortschreitende Entwertung aller jemals alsGeldstoff verwendeten Metalle gegenüber dem täglichen Aufwand allerVölker und Klasseu Hand in Hand gegangen ist, das Bedürfnis nach derüberwiegenden Verwendung wertvollerer Metalle stetig zugenommen hat^.
Die Theorie Liverpools fand überall Anhänger; in Deutschland wurde sie von I. G- Hoffmann vertreten und mit Rücksicht auf diebesonderen deutscheu Verhältnisse ausgestaltet.
Hoffmann schlug die Nachahmung des englischen Beispiels fürDeutschland, speciell für Preußen vor, und zwar im wesentlichen vomfolgenden äußerst charakteristischen Gesichtspunkte aus.
Im ersten Kapitel ist bereits die Hoffmann'sche Theorie erwähnt,nach welcher jeder Münzfuß seinen Todeskeim bereits bei seiner Entstehungin sich trägt. In der Thatsache, daß sich das Gewicht der umlaufendenMünzen durch die natürliche Abnutzung fortschreitend verringerte, sahHoffmann die Hauptgefahr für ein geordnetes und solides Münzwesen;und deshalb trat er für die Goldwährung ein.
Wir haben in Hoffmanns Theorie eine besondere Spielart jenerfrüheren Währungspolitik, welche die Währungsfrage von dem Gesichts-punkt der Durchführung eines geordneten Münzsystems aus behandelt;es handelt sich bei ihm nicht mehr um die Durchführung eines geschlossenenMünzshstems durch Erzwingung der Vertretbarkeit und des festen Wert-verhältnisses der verschiedenen Sorten, sondern um die Ausrechterhaltungdes Münzfußes, um die Festlegung des Verhältnisses zwischen Geld undWährungsmetall.
Die Hauptschwierigkeit, welche sich den staatlichen Bemühungenum die Ausrechterhaltung des Münzfußes entgegenstellte, war der Kosten-punkt. Sollte das Ziel erreicht werden, dann mußte der Staat sowohlden durch die Abnutzung entstandenen Verlust als die Kosteu der Um-prägung der abgenutzten Münzen übernehmen. Die deutschen Staatenhatten das Münzwesen zu lange als nutzbares Regal betrachtet, um sichleicht zu dauernden großen Ausgaben im Interesse des Münzwesens bereitfinden zu lassen.
Nun fand Hoffmann auf Grnnd eingehender Untersuchungen, daßdie Kosten der Ausrechterhaltung des Münzfußes geringer feien bei einemGoldumlauf als bei einem Silberumlaus, uud zwar deshalb, weil einmaldie Prägekosten für Goldstücke im Verhältnis zu ihrem Wert sich
' Vgl. Beiträge, I. Teil, Abschnitt 2,