- N9 -
bedeutend geringer stellten, als für Silbermünzen, und weil ferner einGoldumlauf sich im Verhältnis zu seinem Wert weniger abnutze als einSilberumlauf. Die Gefahr einer Verschlechterung des Münzfußeserschien ihm deshalb geringer bei einer Goldwährung nach englischemMuster, als bei der bestehenden deutschen Silberwährung. Deshalb em-pfahl er die Goldwährung. Auch ihm war also die Art der Währungnoch nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck eines geordnetenMünzwesens.
Hoffmann blieb jedoch mit seiner Schwärmerei für die Goldwährungisoliert und fand vielen Widerspruch.
Praktisch waren seine Vorschläge unter den obwaltenden Verhältnissender Edelmetallproduktion völlig aussichtslos. Zur Erweiterung des Ge-bietes der Goldwährung über England hinaus fehlte es an der erstenVoraussetzung, an dem dazu notwendigen Golde. Die wirtschaftlicheEntwickelung wird eben durch das Wünschenswerte nur dann bestimmt,wenn das Wünschenswerte auch das Mögliche ist. So wünschenswertauch die Einführung der Goldwährung von Hoffmanns Standpunkt derAusrechterhaltung des Münzfußes gewesen sein mag, so wünschenswertsie auch später von Liverpools Gesichtspunkt des Fortschreitens derKulturvölker zum kostbareren Metall erschienen sein mag, so sicher auch eineüberwiegende Goldzirkulation deu Verkehrsbedürfnissen der modernenWirtschaftsverhältnisse besser entspricht als ein Silberumlauf: erst dieGoldfunde der fünfziger und sechziger Jahre haben die Möglichkeit derAusbreitung des Goldumlaufs und der Goldwährung geschaffen.
Diese Möglichkeit, welche durch die Wirkungen des französischen Münzsystems in einem großen und mächtigen Wirtschaftsgebiet von selbstzur Wirklichkeit wurde, gab dem Goldwährungsgedanken seine Flugkraft.
Die thatsächliche Entwickelung beseitigte die Verwirrung, welche dieGoldfunde in vielen Köpfen, so bei Cobden und Chevalier hervor-gerufen hatte. Die unbestreitbaren Vorteile eines Goldumlaufs verhalfendem zuerst von Soetbeer ausgesprochenen Gedanken zum Sieg, daßdie vermehrte Goldproduktion zu einer Ausbreitung der Goldwährungverwendet werden müsse.
In Deutschland traten namhafte Gelehrte auf Soetbeers Seite, soBergius, Lorenz von Stein und Schäffle. Andere verhieltensich abwartend. Mit der Zerstreuung der thörichten Befürchtungen einerenormen Goldentwertung schrumpfte der Kreis der gelehrten Gegner der