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Goldwährung auf die kleine Gruppe der Anhänger der WolowskischenLehre zusammen.
In den Kreisen der Industrie und des Handels machte der Gold-währungsgedanke laugsamere Fortschritte, so sehr man auch unter denMängeln der Silberwährung zu leiden hatte. Die Herstellung eines aus-reichenden Goldumlaufs, die Schaffung einer zur deutscheu Rechnungs-einheit in einem bequemeren Verhältnis stehenden Goldmünze war derallgemeine Wunsch; aber die Ansichten darüber, auf welchem Weg diesesZiel erreicht werden solle uud könne, waren um die Wende der fünfzigerund sechziger Jahre bei den deutscheu Gewerbetreibenden und Kaufleutennoch keineswegs geklärt. Das Bestreben, Anschluß an die gesetzlich oderthatsächlich auf dem Golde beruhenden Währungssysteme der wichtigstenaußerdeutschen Handelsvölker zu gewinnen, war namentlich in den Hanse-städten stark vertreten. Soetbeer hatte in Hamburg bereits in derzweiten Hälfte der fünfziger Jahre einen starken Anhang. Aber esdauerte lange, bis die neuen Gedanken den namentlich im Senate ver-tretenen konservativen Geist zu überwinden vermochten, welcher mit fastabergläubiger Pietät an der veralteten Hamburger Vankvaluta hing.
Um die Klärung der Ansichten über die Münzreform haben sichzwei Körperschaften besondere Verdienste erworben, der „Kongreßdeutscher Volkswirte" und der „Deutsche Handelstag".Wiederholt setzten sie die Münzfrage auf die Tagesordnung ihrer Ver-fammlungen uud ermöglichten dadurch einen großen Meinungsaustauschvor der freien Öffentlichkeit. Hier wie dort war der unermüdlicheSoetbeer die eigentliche treibende Kraft, er gab die Anregung zur immerneuen Behandlung der im stetigen Flusse befindlichen Frage, er übernahmdie Referate und die Ausarbeitung von Denkschriften, er weckte und ver-breitete durch eine außerordentliche journalistische Thätigkeit in Zeitungenund Zeitschriften das Interesse der weitesten Kreise des deutschen Volkes.
Die Verhandlungen und Beschlüsse des Volkswirtschaftlichen Kongressesund des Haudelstages sind der klarste Ausdruck der schrittweisen Ent-wickelung der Münzreform-Bestrebungen während des Jahrzehnts vorder Reform.
Die Volkswirtschaftlichen Kongresse von 1859 (Köln), 1860 (Frankfurt )und 1861 (Stuttgart), ebenso der erste Deutsche Handelstag, welcher1861 in Heidelberg tagte, begnügten sich noch mit der Forderung einerdeutschen Münzeinigung. Man hielt die Münzeiniguug für ein sodringendes Bedürfnis, daß man ihre Durchführung nicht durch die Ver-