Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Nur fünf Kammern nahmen den Standpunkt ein, welcher in dein Heidel-berger Beschluß zum Ausdruck gekommen war, daß die Verbindung derGoldwährungsfrage mit der Frage der Münzeinigung inopportun sei.

Neunzehn Kammern schlugen die Einführung einer dem Zwanzig-frankenstück entsprechenden Goldmünze vor, andere stimmten für eine demhalben Sovereign ganz oder nahezu entsprechende Münze. Über die Artder Einfügung dieser Goldmünzen in das deutsche Münzsnstem, warendie Ansichten noch verschwommen und unklar. Nur Bremen schlug densofortigen Übergang zur Goldwährung vor.

Für den dritteil Handelstag, welcher im Jahre 1865 in Frankfurt stattfand, wurde die Münzfrage als Hauptgegenstand auf die Tagesordnunggesetzt. Die Verhandlungen zeigen ungefähr das gleiche Bild, wie die36 Gutachten der Handelskammern aus dem vorhergegangene!: Jahre.So kam eiu Beschluß zu stände, welcher die Beschlüsse des HeidelbergerTages über die Wahl der Rechnungseinheit aufrecht erhielt, aber gleich-zeitig die Prägung einer Goldmünze vom Feingehalt des Zwanzigfranken-stückes verlangte, welcher ein fester Kassenkurs, sollten die Regierungensich aber dazu nicht entschließen können, ein von Zeit zu Zeit veränder-licher Kassenkurs beigelegt werden sollte.

Der Handelstag beharrte also auf seinem alten Standpunkt: Vorallem die deutsche Münzeinheit! Die Verwirklichung dieser Forderungsollte durch die Währungssrage nicht verzögert werden. Dem dringendenBedürfnis nach einem Goldumlauf wollte man einstweilen durch einprovisorisches Auskuuftsmittel entsprechen, welches gleichzeitig zurAn-bahnung der Goldwährung" dienen sollte. Der Handelstag zeigte damitein hervorragendes Maß von Vorsicht und Mäßigung bei dem Betreteneines Weges, über dessen Ende man sich noch in jeder Beziehung unklar war.

Von nun an vereinigten sich die internationalen Vorgänge auf münz-politischem Gebiete mit den politischen Umwälzungen in Deutschland ,um die Münzfrage akut zu macheu und das allgemeine Interesse an ihrhochgradig zu steigern.

Der Abschluß des lateinischen Münzbundes fachte dieSchwärmerei für die Weltmünze, welche fast so alt ist, wie die Ver-schiedenheit der Münzsysteme, zu neuen Flammen an. Der Gedanke derWeltmünzeinheit hat stets einen Zauber auf die Geister ausgeübt, aberzu keiner Zeit war ihm die allgemeine Stimmung in ganz Europa sogünstig, wie in der Mitte der sechziger Jahre, als Parieu seine Ver-wirklichung in die Hand nahm.