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Der später gegen die damaligen Förderer der Goldwährung er-hobene Vorwurf, sie hätten die Folgen der von ihnen empfohlenen Maß-regel für den Wert des Geldes und für das Wertverhältnis der Edel-metalle nicht in Erwägung gezogen, entspricht nicht den Thatsachen.Allerdings fürchtete man von der Ausdehnuug der Goldwährung keineGoldverteuerung, aber man hatte dafür gute Gründe. Die Ausdehnungder Goldnachfrage war nur ein Gegengewicht gegen die enorme Zunahmeder Goldproduktion, mußte also nicht eine Goldverteuerung herbeiführen,sondern konnte sich darauf beschränken, einer durch die Produktionszunahmeveranlaßten Goldentwertnng entgegenzuwirken. Das Gold war da, eheder Goldwährung^ - Gedanke auf dem Kontinent praktische Bedeutungerlangte, und die Gegner der Goldwährung in den fünfziger Jahrenbekämpften die Goldwährung, weil sie von ihr eine Geldentwertung, nichteine Geldwertsteigerung befürchteten. Zur Zeit der Pariser Konferenzwar die lateinische Union bereits von selbst in den Besitz eines über-wiegenden Goldumlaufs gelangt, brauchte also das zur Goldwährungnotwendige Gold nicht erst zu beschaffen. Die Thatsache , daß von 1850bis zur deutscheu Münzreform fast ebensoviel Gold produziert wurde, alsheute in England, Frankreich, den Bereinigten Staaten und Deutschland zusammengenommen monetären Zwecken dient, war geeignet, auchden Vorsichtigsten über die Gefahr einer Goldverteuernng zu beruhigen.
Die Folgen einer Demonetisation des Silbers für das Wertverhält-nis der Edelmetalle wurden gleichfalls nicht außer Acht gelassen. Soetbeererwartete, die Abstoßung des deutschen Silberkurants müsse „die gegen-seitige Wertrelation der Edelmetalle zum Nachteil des Silbers aufs ge-waltigste erschüttern, selbst wenn man sich die Ordnung auf zehn Jahreverteilt denkt"
Aber Deutschland konnte die Aufrechterhaltung des Silberwertesunmöglich zum Hauptzweck seiner Münzpolitik machen. Abgesehen davonherrschte die Ansicht vor, daß eine Wertverringerung des Silbers auchdurch Deutschlands Verzicht auf die Goldwährung nicht verhindert werdenkönne, daß „Deutschland selbst in Geineinschaft mit Holland und denskandinavischen Staaten nicht im stände sein möchte, ans die Dauerein wesentliches Sinken des Silberpreises zu hindern, sobald ein nach-haltiger starker Silberabfluß nach Ostasien unterbleibt und die Länder
- Bremer Handelsblatt vom 19. Juli 1869.