Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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nähme der Goldwährung in einem oder mehreren der wichtigsten StaatenEuropas das Silber mehr oder weniger entwerten müsse. FinanzielleVerluste waren deshalb mit einem solcheu Währungswechsel unbedingtverbunden, aber diese Verluste mußten für Deutschland um so größerwerden, je länger sich die Münzreform verzögerte und je mehr fremdeStaaten vor Deutschland das Silber demonetisiertcn. Die deutschen Regierungen wurden deshalb von allen Seiten gedrängt, so rasch wiemöglich an das notwendige Werk heranzutreten.

Die Entscheidung lag vor allem, beim Norddeutschen Bund , alsowesentlich in der Hand der preußischen Regierung.

Bis zur Pariser Münzkonferenz war die Stellung der deutschen Regierungen zur Müuzfrage innerhalb und außerhalb des NorddeutscheilBundes durchaus unentschieden. Das einzige, was man unter demDruck der öffentlichen Meinung naturgemäß wollte, war die deutsche Münzeinigung. Über die Art dieser Münzeinigung, und ebenso über dieFragen der Goldwährung und der Weltmünzeinheit hatten sich noch keinegreifbaren Ansichten herausgebildet, geschweige denn irgend welche Be-schlüsse. Das zeigte sich deutlich in der Haltung, welche der DelegiertePreußens , Geheimrat Mein ecke, auf der Pariser Münzkonferenzeinnahm. Er erklärte, in Preußen sei man mit der Silberwährung zu-frieden, und man habe keinen zwingenden Grund zum Währungswechsel.Indessen werde die preußische Regierung doch nicht verfehlen, die Fragein Betracht zu ziehen. . . Er müsse sich aller Äußerungen über Detail-fragen enthalten, denn er wisse nicht, wann noch wie in Preußen derÜbergang von der Silberwähruug zur Goldwährung stattfinden könne. . . .Man sympathisiere allerdings mit der Weltmünzeinheit, aber man wollesie nicht um jeden Preis; er vermöge nicht vorauszusehen, welche Gold-münze Preußen und den andern Staaten zusagen würde, wenn sie sichspäter entschließen sollten, die Silberwährnng mit der Goldwährung zuvertauschen, und er könne keine Goldmünze, welche leicht in das franzö-sische Goldgeld umzurechnen sei, versprechen. Vielleicht werde man dieZollvereinskrone als Grundmünze annehmen müssen. . . .

Es dauerte auch in der Folgezeit verhältnismäßig lange, bis diepreußische Regierung einigermaßen zur Klarheit über die vorzunehmendeReform gelangte.

Das erklärt sich aus einer Reihe von Umständen.

Einmal war die von den Ministerien zu bewältigende Arbeitslast

gerade in der Zeit des Norddeutschen Bundes eine ganz enorme. Dann war

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