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ergebende Gewinn in den Einkünften der Finanzverwaltung. DieserGewinn betrug beispielsweise im Jahre 1863 174.380 Franken bei einerGesamtausmünzung von 210 Millionen Franken. Die in diesem Jahreausgeprägten Stücke hatten also im Durchschnitt 0,79 Promille wenigerFeingehalt, als sie hätten haben müssen.
Diese Vorwürfe, welche niemals völlig verstummten, griff derbelgische Gesandtschafts-Attachö in Berlin , Nothomb, im Jahre 1869wieder auf und veröffentlichte sie in den Preußischen Jahrbüchern unterdem Titel „Die Weltmünze". Er wies dabei auf die Exaktheit hin, mitwelcher die preußischen Münzstätten arbeiteten; dort hatte im Jahre1867 bei einer Ausmünzung von 31^/s Millionen Thalern dieDifferenz zwischen dem gesetzlichen und dem thatsächlichen Feingehalt nur2/s Thaler betragen.
Man erinnerte sich allmählich wieder des schon von J.G. Hoffmannaufgestellten Satzes, daß ein gemeinschaftlicher Münzumlauf ohne einheit-liche Verwaltung des Mllnzwesens bedenklich und gefährlich sei, und alledie geschilderten Bedenken richteten sich nicht nur gegen einen förmlichenMünzbund mit vertragsmäßiger Zulassung des Geldes der sämtlichenMünzbundstaaten, denn bei der Gewohnheit des deutschen Volkes, jedesGeld zu nehmen, hätte man bei gleichem Münzsystem unmöglich die inFrankreich, Belgien und anderwärts geprägten Münzen fernhalten können.
Auch der Schwierigkeiten der Konvertierung wurde man sichimmer mehr bewußt. Sollte man dem Publikum eine komplizierte Um-rechnung aller Zahlungsverträge und Preise zumuten, nur um dem Idealder Weltmünzeinheit, dessen völlige Erreichung zunächst ausgeschlossenwar, und dessen Schattenseiten immer deutlicher wurden, einen Schrittnäher zu kommen?
Alle diese Erwägungen wirkten zusammen, um den Gedanken derinternationalen Münzeinigung, welcher in Deutschland von den Fachleutenund dem großen Publikum anfänglich mit der größten Begeisterung auf-gefaßt worden war, allmählich zurückzudrängen. Bereits vor Ausbruchdes Krieges mit Frankreich brach sich die Ansicht Bahn, daß die Aufgabender deutschen Münzeinigung und des Übergangs zur Goldwährungschwierig genug seien, und daß man deren Lösung nicht durch die vor-läufig aussichtslosen Bestrebungen zu Gunsten der Weltmünzeinheit nochmehr erschweren und verzögern dürfe. War doch die Lage der inter-nationalen Münz- und Währungsverhältnisse dazu angethan, Deutschland zur größten Eile anzutreiben! Niemand zweifelte daran, daß die An-