Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Vorteile des Münzbundes mit diesem Lande völlig aufgehoben, dadie italienische Lira jetzt nicht mehr mit dem Franken übereinstimmte.

Diese Erfahrungen konnten die Vorteile eines Münzbundes nichtmehr in ungetrübtem Lichte erscheinen lassen. Sie mußten besondersschwer ins Gewicht fallen, als Frankreich selbst bald nach demBeginn des Krieges die Einlösung der Noten seiner Centralbanksuspendierte.

Zu diesen Erfahrungen kamen noch weitere Bedenken, welche sichnicht auf den Scheidemünzumlaus, sondern auf das Kurantgeld selbst be-zogen.

Der lateinische Münzvertrag bestimmte keine Abnutzungsgrenze fürdie Kurantmünzen. In Deutschland hatte man langjährige Erfahrungenin Münzverträgen, und dieser offenkundige Mangel konnte deshalb nichtverborgen bleiben.

In England war wohl ein Passiergewicht für die Goldmünzen fest-gesetzt, aber im Gegensatz zuDeutschland hatte der Staat nicht die Ver-pflichtung zur Einziehung und Umprägung der abgenutzten Münzen über-nommen. Die bekannte Folge ist die erhebliche durchschnittliche Abnutzungdes englischen Münzumlaufs.

Ohne ein einheitliches System der Aufrechterhaltung des Münzfußeskonnte an einen gemeinschaftlichen Münzumlauf nicht gedacht werden,denn man mußte befürchten, die abgenutzten Stücke der andern Länderwürden die mit nicht geringen Kosten vollwertig erhaltenen deutschenStücke verdrängen.

Aber nicht nur, daß infolge dieses Mangels eine Verschlechterungdes allgemeinen Umlaufs zu befürchten gewesen wäre: nach oft wieder-holten uud niemals völlig widerlegten Aufstellungen stellte die in Frank-reich übliche Art der Ausmünzung von vornherein eine Art Münz-verschlechterung dar.

Die Pariser Münze war an Unternehmer verpachtet. Schon imJahre 1866 wurde in Pariser Zeitungen darüber Klage geführt, daßdiese Unternehmer die ohnehin etwas weite Fehlergrenze in Gewicht undFeingehalt ausnützten. Der Vorwurs war insofern unbegründet, als dieUnternehmer selbst an der ihnen vorgeworfenen minderwertigen Ausprägungnicht interessiert waren, denn sie mußten das gleiche Gewicht von ge-prägtem Metall an den Fiskus zurückliefern, welches sie in Roh-metall erhalten hatten. Den Vorteil hatte also der Fiskus, und in derThat figurierte der sich aus der fehlerhasten unterwertigen Ausmünzung

Hellsferich, Geschichte der Geldreform. 3