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Verbot der Ausgabe kleiner Noten war aber für die Regelung der ganzenBankfrage dadurch von der größten Wichtigkeit, daß es einer Anzahl vonkleinen Notenbanken, deren Geschäftsführung die Ursache wesentlicherMißstände des vorhandenen Notenumlaufs war, und deren Privilegieneiner einheitlichen und gründlichen Bankreform als schwere Nechtshinder-nisse im Wege standen, die Existenzgrundlagen beschränkte.
Es wäre nun zwischen diesem Gedankengang der Reichsregierungund dem Vorschlag Bambergers ein Kompromiß denkbar gewesen, welchesdie Vorteile beider Pläne vereinigt hätte: Vorläufige Umwandlung derPreußischen Bank in eine Neichsbank, dann Mttnzreform und Herstellungeiner Goldzirkulation, daran anschließend Verbot der kleinen Noten undals Abschluß die endgültige Regelung des Papiergeldes und des Bank-wesens.
Wenn jedoch die Reichsbank zur Erfüllung der Aufgaben genüge«?sollte, um derentwillen sie Bamberger gleich zu Anfang der Reform insLeben rufen wollte, dann hätte gleichzeitig die gesamte Regelung desBankwesens erfolgen müssen. Solange die übrigen Notenbanken un-verändert fortbestanden und ungestört in der bisherigen Weise weiterwirtschaften konnten, hätte eine Reichsbank niemals die volle Herrschaftüber den deutschen Geldmarkt erlangen können, welche ihr ermöglichthätte, die Durchführung der Goldwährung vermittelst ihrer Diskontpolitikzu sichern.
Weitaus wichtiger als solche Erwägungen war jedoch der Umstand,daß innerhalb des Bundesrates über die Errichtung einer Reichsbank dieMeinungen soweit auseinander gingen, daß eine baldige Einigung nichterwartet werden konnte, daß also durch die Befolgung von BambergersVorschlag die Müuzreform ins ungewisse hätte verschoben werden müssen.
Dieser Grund veranlaßte Del brück, bereits vor der Neichsgründuugbeim Bundesrat darauf zu dringen, vor allen Dingen die Erledigung derMünzfrage vorzunehmen und die Reform des Papiergeldes uud derNotenbanken vorläufig zurückzustellen. Dieser Weg war zwar vielleichtnicht der glücklichste der denkbaren Wege zu dem erstrebten Ziele, aberer war unter den obwaltenden Verhältnissen der einzig mögliche, aufwelchem nach dein Krieg die besondere Gnnst der Umstände zum Vorteilder Münzreform voll ausgenutzt werden konnte. Der Bundesrat entschiedsich im Sinne Delbrücks.
Die Mttnzreform sollte die Mttnzeinigung herbeiführen und an dieStelle der Silberwährung die Goldwährung setzen.