Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Fünfmarkstückes beantragt und beschlossen. Aber auch das silberne fandeine Mehrheit, und die Reichsregierung erklärte, das goldene nur zuacceptieren, wenn auch das silberne bestehen bleibe. Die Wahl zwischenbeiden Münzen solle dem Verkehr überlassen bleiben.

Um die Lücke zwischen dem Einmarkstück und dem Fünfmarkstückauszufüllen, wurde im Bundesrat ein Zweieinhalbmarkstück in Anregunggebracht ^; aber diese Anregung fand keinen Beifall.

Im Reichstag wurde ein Zweimarkstück beantragt.

Dieses Münzstück war der am meisten und heftigsten umstrittenePunkt im ganzen Münzgesetz. Die Frage, ob ein silbernes Zweimarkstückgeprägt werden solle, wurde mit einem Ernst und einem Eifer behandelt,als ob die ganze Münzreform von ihr abhängig sei.

Der Grund, warnm diesem Münzstück eine solche Wichtigkeit bei-gemessen wurde, war der österreichische Silbergulden.

Dieser lief, wie wir wissen, seit langer Zeit fast in ganz Deutschland zum Werte von 20 Silbergroschen um, also zum gleichen Werte, welchendas Zweimarkstück haben sollte. Solange Deutschland Silberwährunghatte, war der Umlauf österreichischer Silbergulden nicht gerade bedenklich,dem? solange entsprach sein Silbergehalt dem Wert von 20 Silber-groschen, zu welchem er genommen wurde. Er wurde erst gefährlich, alsDeutschland Anstalten traf, zur Goldwährung überzugehen, und als dasSilber im Verhältnis zum Gold unter die dem deutschen Währungs-wechsel zu Grunde gelegte Relation zu fallen begann.

Der Silbergulden war in Österreich frei ausprägbar, er konnte alsounbeschränkt vermehrt werden.

Die Goldwährung kann aber nur durch eine strenge Kontingentierungdes Silberumlaufs aufrecht erhalten werden. Solange der österreichischeSilbergulden ungestört nach Deutschland einwandern und dort zu zweiMark umlaufen konnte, war deshalb an eine Reichsgoldwährung nichtzu denken; solange hatte man vielmehr lediglich eine Doppelwährung,bei welcher das Gold in Deutschland geprägt wurde und das Silber inÖsterreich frei ausprägbar war. Wollte man also ernstlich die Gold-währung durchführen, so mußte man den österreichischen Silberguldenaus Deutschland aussperren.

Nun glaubten die einen', das Zweimarkstück sei so nahe mit demösterreichischen Gulden verwandt, daß seine Existenz die Ausschließungdes österreichischen Guldens unmöglich mache; könne man doch nie-

i Siehe Beiträge S. 221 ff.