Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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gefügig zu machen denn die meisten hatten ihre Finanzwirtschaftbereits auf die erwarteten Zuflüsse aus der Kriegsentschädigung ein-gerichtet, hielt man es nicht für geraten, ohne weiteres den Absatz 2des Artikels 18 fallen zu lassen und das Münzgesetz ohne jede Bestim-mung über das Staatspapiergeld zu genehmigen. In Anknüpfung andie Camphausensche Andeutung, daß er einen den Wünschen des Reichs-tags entsprechenden Entwurf in Bereitschaft habe, beantragte Bam-ber g er, den Artikel 18 solange von der Tagesordnung abzusetzen, bisder Finanzminister bestimmte Vorlagen und Propositionen zu machen im-stande sei und bis der Reichstag darüber entscheiden könne, ob mit diesendas Münzgesetz annehmbar sei oder nicht.Der Reichstag gab diesem Antrag Folge.

Damit hatte sich die Lage folgendermaßen zugespitzt:Der Reichstag weigerte sich, das Münzgesetz zu Ende zu beratenund anzunehmen, bevor ihm seitens der Neichsregierung bestimmte Vor-schläge über die Regelung der Papiergeldfrage gemacht feien. Der Plandes Bundesrates, den Beschluß des Reichstags in dieser Frage abzu-lehnen, ohne einen positiven Gegenvorschlag zu machen, lediglich mit demHinweis darauf, daß über die Frage eifrige Verhandlungen zwischen denRegierungen stattfänden, war damit durchkreuzt. Wollte der Bundesratdas Müuzgesetz nicht scheitern lassen, so war er genötigt, noch vor Schlußder Session sich über die Papiergeldfrage zu einigen. Überdies wurdeudie Negierungen zu einer fchleuuigen Einigung dadurch gedrängt, daßim Falle der so gut wie zweifellosen Annahme des Antrages Laskerdie Verteilung der Kriegskosten-Entschädigungsgelder bis zur Erledigungder Papiergeldfrage ausgesetzt wurde.

Die Unterbrechung der dritten Lesung des Münzgesetzes hatte voll-kommen die beabsichtigte Wirkung. Der Bundesrat beschloß sofort, dasNeichskanzleramt zu ersuchen, so rasch wie möglich Gesetzentwürfe überdie Regelung des Papiergeldwesens und des Bankwesens vorzulegen.Zum Teil lag diesem Beschluß die auch von anderen Regierungen geteilteAuffassuug Bayerns von dem Zusammenhang der Papiergeld- und derBankfrage, welche wir bereits erörtert haben, zu Grunde.

Diese Auffassung hatte in Camphausen einen äußerst hartnäckigenGegner. Camphausen wollte überhaupt keine Reichsbank, und sein zäherWiderstand hatte die ganze Bankfrage völlig ins Stocken gebracht.