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Bundesrat dem Reichstag keine offiziellen Vorschläge machen konnte,blieb ihr nur der Weg der privaten Unterhandlung mit den führendenReichstagsabgeordneten.
Bismarck selbst ließ noch am Abend des 21. Juni Bamberger zusich bitten, der bereits über das Schicksal des Papiergeldgesetzes unter-richtet war. Den Inhalt der Unterredung gebe ich nach den Aufzeich-nungen wieder, die mir Herr vr. Bamberger in liebenswürdiger Weisezur Verfügung gestellt hat.
Bismarck hielt Bamberger eine lange Anrede. Er sei, so sagte er,im ganzen offiziellen Preußen der einzige deutsch und reichsmäßig ge-sinnte. Er wolle nicht, daß in Bayern die Wahlen unter Hinweisungauf eine Majorisierung Bayerns in der Papiergeldfrage verschlechtertwürden. Um zu verstehen, daß Bayern hier kein Unrecht geschehe, müsseman mehr Einsicht haben, als dem Wähler zuzutrauen sei. Er folgehierin den Angaben von Bambergers liberalen Kollegen aus Bayern .Gerade daß das bayerische Papiergeld aus dem Kriege von 1866 datiere(Bayern hatte bis dorthin kein Papiergeld ausgegeben), sei das Üble.„Ich habe," sagte Bismarck, „im Jahre 1871 gewollt, man sollte densüddeutschen Staaten ihre Kontributionen von 1866 aus den Kriegs-entschädigungsgeldern Frankreichs zurückgebeu. Diesen Wunsch hätteman mir doch wohl erfüllen können! Ich hätte ja für Deutschland ebenso gut eine halbe Milliarde weniger ausbedingen können; und die200 Millionen von Paris , wer anders hat denn die dem König geradezuau^ den Tisch gelegt, als ich! Aber damals, als ich dieses Ansinnenstellte, begann der König an die Erzählung zu glauben, daß es inmeinem Kopfe nicht ganz richtig sei." —
„Ich stellte ihm nun die Frage," so heißt es in Bambergers Auf-zeichnungen weiter, „welche der ^beiden Lösungen, der alte Artikel 18oder die Substanz des sächsischen Vorschlages er vorziehe. Aber er hattesich offenbar weder mit dem einen noch mit dem andern vertraut ge-macht. Jetzt erst merkte ich, worauf er hinauswollte: auf das Un-glaubliche, daß ich das Münzgesetz in dieser Session unvollendet stehenlassen sollte. Dieser Gedanke war so absurd selbst für Bismarcks Reichs-politik, so zweckwidrig und geradezu unmöglich, daß ich mir anfangsselbst nicht glaubeu wollte, richtig verstanden zu haben."
„Da sagte er kalt-verdrießlich:
„„Sobald Sie's fertig machen wollen, ist es mir einerlei wie.""„Nun verstand ich erst, und ich kann mir diesen Gedankengang nicht