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dem Papiergeldgesetz einverstandenen Mittelstaaten gegen Bayern und Hessen ,deren Widerstand jede erträgliche Lösung unmöglich zu machen drohte.
Man machte den bauerischen und hessischen Bevollmächtigten dielebhaftesten Vorstellungen. Man warf ihnen vor, daß sie das Zustande-kommen des Münzgesetzes gefährdeten. Man wies auf den LaskerschenAntrag über die Verteilung der Kriegskostenentschädigung hin und schobBayern die Verantwortlichkeit zu für eine eventuelle erhebliche finanzielleSchädigung sämtlicher Einzelstaaten, wie sie aus einer Zurückhaltung derKontributionsgelder entstehen könnte. Man machte darauf aufmerksam,welch schlechten Eindruck es hervorrufen werde, wenn die verbündeten Re-gierungen, nachdem man den Reichstag von ihren Verhandlungen überdie Frage in Kenntnis gesetzt, mit leeren Händen vor den Reichstagtreten müßten; man werde naturgemäß den Grund im Mangel an gutemWillen seitens der Einzelstaaten suchen.
Aber alles war umsonst. Bayern und Hessen beharrten bei ihremWiderspruch.
Am 21. Juni beschloß der Bundesrat gegen eine Reihe wichtigerStaaten, z. B. gegen Sachsen, Württemberg und Baden, die Abstimmungüber den Entwurf auf unbestimmte Zeit zu vertagen.
Fürst Bismarck selbst leitete an diesem Tage die Verhandlungen.
Er war sehr geärgert und verdrießlich über den Gang, den dieganze Sache genommen hatte. Der rücksichtslose preußische Partikularis-mus, den Camphausen von allem Anfang an in dieser Angelegenheit zurSchau getragen hatte, und der hauptsächlich die Schuld an der scharfenZuspitzung der Frage trug, verdroß ihn in hohem Grade. Aber auch derEifer, mit welchem Delbrück im Interesse des Zustandekommens desMünzgesetzes aus eine möglichst rasche gütliche Beilegung der Streitfragehingearbeitet hatte, erfreute sich offenbar nicht seines Beifalls. Gerade da-durch war diese ganze unangenehme Frage im ungeschicktesten Augenblick,wo Neichstagswahlen in Aussicht standen, akut geworden, und die Un-möglichkeit einer alle Teile befriedigenden Lösung trat gerade in diesemunpassenden Moment klar hervor. Und warum hatte man die Fragenicht bis nach den Wahlen auf sich beruhen lassen? — Nur wegendieses Münzgesetzes!
Doch was geschehen war, ließ sich nicht mehr ändern. Es galt, inder allerkürzesten Zeit einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, undeine Einigung zwischen Reichstag uud Bundesrat herbeizuführen.
Da die Neichsregierung nach dem Scheitern der Verhandlungen im