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Es wäre also ein leichtes gewesen, Bayern und Hessen zu über-stimmen und den Entwurf an den Reichstag weiterzugeben.Aber das geschah nicht.
Fürst Bismarck kümmerte sich um die Geldreform uur daun, wenndiese Frage anfing, auf das eigentliche p o litische Gebiet hinüberzuspielen.Dieser Fall war nun eingetreten.
Bayern hatte mit aller Entschiedenheit gegen die isolierte Erledigungder Papiergeldfrage protestiert. Bismarck , der bisher stets darauf Be-dacht genommen hatte, den größeren Mittelstaaten, ganz besondersBayern , in keiner Weise zu uahe zu treteu, hielt auch dieses Mal dieReform des Geldwesens für zu uuwesentlich, um Bayern deshalb irgendwiezu verstimmen. Es kam hinzu, daß für den Herbst Nenwahlen zumReichstag in Aussicht standen. Auf gute Wahlen zum Reichstag hatBismarck stets gehalteu. Er fürchtete nun, daß gerade eine MajorisierungBayerns in der Papiergeldfrage, die er für sehr verwickelt und dunkelhielt, einen zugkräftigen Agitationsstoff für die bayerischen Partikularistenabgeben könnte, und er hatte keine Lust, wegen der Papiergeldfrage auchnur eiuen einzigen bayerischen Wahlkreis dem Centrum auszuliefern.
In Rücksicht auf den letzteren Gesichtspunkt handelte es sich sür ihnvor allem darum, die Entscheidung in der Papiergeldfrage mindestensbis über die Reichstagswahlen hinaus zu verschieben.
Delbrnck handelte deshalb ganz in seinem Sinn, als er, nachdemBayern und Hessen ihren entschiedenen Widerspruch gegen das Gesetz er-klärt hatten, beantragte, die Beschlußfassung über das Gesetz auf un-bestimmte Zeit zu vertagen. Die Beschlußfassung über diesen unerwartetenAntrag wurde, da die Bevollmächtigten ohne Instruktionen für diesenFall waren, auf den folgenden Tag verschoben.
Die Lage war inzwischen durch das Herannahen des Schlusses derReichstagssession akut geworden. Am 20. Juni fand jene Bnndesrats-sitzuug statt, welche jegliches Ergebnis der langen Verhandlungen völligin Frage stellte, am 25. Juni sollte die Session geschlossen werden.
Der Reichstag selbst konnte unter diesen Umständen, obwohl dievon ihm verlangten Vorschläge über die Regelung der Papiergeldfrageimmer noch ans sich warten ließen, die Wiederaufnahme der drittenLesung des Münzgesetzes unmöglich länger verzögern. Als kein Aufschubmehr möglich war, wurde die dritte Lesung des Mttnzgesetzes für Montag,den 23. Juni auf die Tagesordnung gesetzt.
In dieser kritischen Situation richtete sich der ganze Groll der mit