Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
262
Einzelbild herunterladen
 

262

noch ganz dieselben wie damals. Bayern stellte deshalb den förmlichenAntrag, die Verhandlungen über die Papiergeldreform bis zu der fürden Herbst in Aussicht gestellten Bankvcrlage auszusetzend

In der That waren die sachlichen Gründe, welche für eine gleich-zeitige Regelung der Papiergeld- und Bankfrage sprachen, Anfang 1874noch dieselben wie Mitte 1873. Wenn diese sachlichen Gründe damalsfür einen Aufschub der Verhandlungen über das Papiergeldgesetz ent-scheidend waren, mußten sie es auch jetzt sein.

Aber diese Gründe waren eben damals nicht entscheidend gewesen.Damals wollte Bismarck eine Majorisierung Bayerns vermeiden, dasentschieden gegen die isolierte Behandlung der Papiergeldfrage eintrat.Maßgebend für dieses Verhalten war sein Bestreben, die wichtigerenMittelstaaten und namentlich Bayern , in guter Stimmung zu erhalten,vor allem aber gerade damals die Rücksicht auf die bevorstehenden Reichs-tagswahlen. Die Wahlen waren jetzt vorüber, und jetzt konnte manallenfalls Bayern majorisieren, ohne die politische Ausnutzung dieserVergewaltigung" fürchten zu müssen. Bismarck machte deshalb jetztkeine Einwendung mehr gegen die einseitige Regelung der Papiergeld-frage eventuell gegen den Willen Bayerns .

Delbrück that sein bestes, um Bayern zu bewegen, jseinen Wider-spruch fallen zu lassen.

Aber Bayern hielt seinen Antrag auf Vertagung der Papiergeld-frage aufrecht. Der Autrag wurde jedoch abgelehnt, und die im Juni1873 vermiedene Majorisierung Bayerns wurde so im Januar 1874 zurThatsache .

Der Bundesrat trat nun in die Beratung des wieder von den Totenauferstandenen Entwurfes ein.

Man einigte sich darüber, daß die Summe des auszugebenden Reichs-papiergeldes 120 Millionen Mark betragen sollet

' Vgl. H irths Annalen des Deutschen Reichs. 1874. S. 717 ff. Die dort gegebeneDarstellnng deckt sich vollkommen mit der meinigen, welche im wesentlichen auf per-sönlichen Mitteilungen des Herrn Staatsministers v. Delbrück beruht. Vgl. auchPoschinger a. a. O. III S. 100 ff.

2 Der Betrag beruhte auf dem ursprünglichen sächsischen Entwurf, welcher1 Thaler pro Kopf der Bevölkerung vorschlug. Die Übereinstimmung mit den12V Millionen Mark des Kriegsschatzes ist eine rein zufällige, wie überhaupt Reichs-kassenscheine und Kriegsschatz in gar keinem Zusammenhang stehen. Gleichwohl wurdediese zufällige Übereinstimmung in den Motiven des dem Reichstag vorgelegten Gesetz-entwurfes als Begründung des vorgeschlagenen Betrags der Reichskassenscheine ver-wendet. Dort heißt es nämlich (Drucksache Nr. 70 des Reichstags, 1874):