Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
307
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Neuntes Kapitel.

Das Problem der Umwandlung des Münznmlaufs unddie Stellung der Reichsregiernng.

Erster Abschnitt.Das Problem der Durchführung der Geldreform.

Auf dem Wege der Gesetzgebung konnte nur ein Teil der großenAufgaben der Geldreform gelöst werden. Da es sich nicht nur um dieAufstellung neuer Rechtssätze handelte, sondern auch um die Umwaudlungkonkreter Verhältnisse, waren neben der gesetzgeberischen Arbeit weit-gehende Leistungen der staatlichen Verwaltungsthätigkeit erforderlich.

Der Schwerpunkt diejer Leistungen lag in der eigentlichen Münz-r e f o r m.

Die Reform des Banknotenwesens war in der Hauptsache durch denErlaß neuer Rechtssätze für die Notenbanken erledigt. Die Reichs-regierung hatte nur dafür Sorge zu tragen, daß die Notenbanken denVorschriften der neuen Gesetze Genüge leisteten. Ähnlich lag es hin-sichtlich des Staatspapiergeldes. Hier erstreckte sich die Verwaltungs-thätigkeit des Reichs im wesentlichen darauf, die neuen Reichskassenscheinedrucken zu lassen uud sie gemäß den Vorschriften des Reichskassenschein-gesetzes an die Einzelstaaten zu verteilen; ferner hatte die Reichsregierungspäterhin die rechtzeitige Zurückziehung der den Einzelstaaten in Reichs-kassenscheinen gewährten Vorschüsse zu bewirken. Die Einzelstaaten hattenihr Landespapiergeld bis zum 1. Januar 1876 einzuziehen, und zwarvermittelst der ihnen überwiesenen Reichskassenscheine und, soweit diesenicht ausreichten, iu barem Geld. Die Beschaffung der notwendigenBarmittel mag für einzelne Staaten eine schwierige oder wenigstens un-

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